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Start   Artikel   Kollaboratives Arbeiten mit Wikis im Unternehmensumfeld

31.10.2007

Kollaboratives Arbeiten mit Wikis im Unternehmensumfeld

Von Frank Bärmann

Immer mehr Unternehmen nutzen Wikis (auch WikiWiki und WikiWeb genannt) für die interne Teamarbeit, für das Projektmanagement und als Wissensbasis. Die besonderen Content-Management-Systeme scheinen in der Unternehmenswelt einen echten Boom zu erleben. Warum aber sind Wikis so beliebt? Welche technischen und organisatorischen Voraussetzung muss ein Unternehmen für die Einführung und Etablierung eines Wikis mitbringen?

WikiWiki ist hawaiianischen und heißt "schnell" "Schnell" ist die Originalbedeutung des hawaiianischen Wortes WikiWiki, von dem Wiki abgeleitet ist. "Schnell" trifft auch genau die Besonderheiten und Vorteile eines Wiki: Es benötigt vom Benutzer kaum Einarbeitungszeit, ist unkompliziert über den Browser zu bedienen und Änderungen sind direkt nach dem Speichern sichtbar. Auf diese Weise können die Mitarbeiter beim Wiki, im Vergleich zu komplizierten Knowledge-Management-Systemen, einfacher ihr Wissen teilen.

Laut einer Umfrage an der Universität zu Köln kommt das Wiki immer häufiger zum Einsatz. 58 % der befragten Unternehmen ein Wiki, 18 % haben eines geplant. 86 % der Unternehmen nannten als Grund für die Einführung eines Wikis die einfache Benutzung. Weitere Details zu der Umfrage gibt es unter

http://wikipedistik.de/umfrage/ergebnisse.html

Einsatzgebiete

Wikis lassen sich in vielerlei Hinsicht im Unternehmen einsetzen: als Basis einer Wissensdatenbank, als Kommunikationsplattform, als Projektmanagementwerkzeug oder zur Erstellen von Dokumentationen.

Das Wissen eines Unternehmens besteht nicht nur in Protokollen, Spezifikationen und Datenbanken. Es steckt vor allem in den Köpfen der eigenen Mitarbeiter. In einem Wiki kann jeder von ihnen seine Ideen und Erfahrungen in seinen Bereichen niederschreiben. Jeder kann diese Einträge ergänzen und eigene Erfahrungen beisteuern. So wird aus einem Unternehmenswiki schnell ein zentraler Wissenspool.

Als zentrale Kommunikationsplattform für Unternehmen mit mehreren Standorten optimiert es die Kommunikation zwischen Teams, Standorten und Personen. Auf eine Arbeitsdatei kann von allen Computer-Systemen zugegriffen werden, eine Änderung des Textes wird synchron auf allen Systemen angezeigt.

Es können gemeinsam Meetings vorbereitet oder ganze Projekte zentral verwaltet werden. In einem Wiki lassen sich Projektschritte diskutieren, oder auch begleitendes Projektmaterial und Unterlagen gesammelt ablegen.

Wiki - Technik und Syntax

Die wohl populärste Wiki-Engine ist die Open-Source-Engine MediaWiki, die ursprünglich für Wikipedia entwickelt wurde. Inzwischen nutzen tausende Wikis weltweit die Software. Zur Installation der MediaWiki-Software benötigt man einen Webserver, der PHP 5 und MySQL 4.0 unterstützt. Die Installation ist für einen geübten Webadmin ein Kinderspiel.

Die Textgestaltung bei MediaWiki erfolgt über eine spezielle Wiki-Syntax. Die Seiten müssen mit speziellen Formatierungsanweisungen versehen werden, zum Beispiel:

==Überschrift zweiter Ordnung==

''kursiver Text''

'''fetter Text'''

[[Verweis auf eine andere Seite]]

Zurzeit arbeiten die großen Wiki-Unternehmen Wikia und Socialtext an einer WYSIWYG-Lösung für MediaWiki mit dem Namen Wikiwyg. Wikiwyg erlaubt, zwischen WYSIWYG-Modus und Wiki-Syntax hin und her zu schalten.

Weitere Infos zu MediaWiki und der Syntax findet man unter http://meta.wikimedia.org/wiki/Hilfe:Handbuch

Organisatorische Herausforderungen

Die erste und grundsätzlichste Entscheidung, die ein Unternehmen vor der Einführung eines Wiki treffen muss, lautet: "Passt ein Wiki in die Unternehmenskultur oder nicht?" Dadurch, dass alle Mitarbeiter (fast) gleichberechtigt an einem Wiki mitarbeiten dürfen, werden hierarchische Strukturen im Unternehmen aufgebrochen und es entsteht ein informelles Kommunikationsklima.

Diskussionen und Meinungsunterschiede über die Wiki-Inhalte sind durchaus üblich. Sollte ein Chef oder Vorstand so was nicht vertragen können, sollten er und sein Unternehmen die Finger von einem Wiki lassen.

Neben dieser grundsätzlichen Entscheidung müssen natürlich zahlreiche weitere Fragen diskutiert und geklärt werden. Wie grenzt sich das Wiki zu bestehenden Informationssystemen (DMS, CMS, E-Mail, Intranet) ab? Welche Informationen sollen im Wiki gesammelt werden? Wie wird Teamarbeit im Unternehmen organisiert?

Wer bekommt welche Rechte?

Sind diese und weitere grundsätzliche organisatorische und kulturelle Fragen abgearbeitet, wird das Wiki aufgesetzt und langsam gefüllt. Idealerweise überlegt sich ein Projektteam eine Struktur. Welche Punkte gehören in die Navigation? Wie soll die Suche gestaltet werden? Erst dann beginnt man, Inhalte einzutragen.

Da sehr viele Menschen bereits an dem Parade-Wiki Wikipedia mitgeschrieben haben, wird eine Nutzung von MediaWiki zu einem großen Look & Feel und eine niedrigere Hemmschwelle führen. Und selbstverständlich sollte das Wiki-Team mit gutem Beispiel voran gehen, das Wiki ausführlich einführen und regelmäßig propagieren. Fazit

Trotz ihres Potenzials als Kommunikations- und Kollaborationsplattform ist der Weg für Wikis in Unternehmen noch weit. Durch den Erfolg von Wikipedia und die damit gestiegene Aufmerksamkeit für Wikis sowie die Entwicklung von speziellen Wiki-Unternehmenslösungen wie TWiki, "Jotspot" oder "Socialtext" könnte ein Durchbruch aber beschleunigt werden.

Momentan kann ein Wiki vor allem für kleine und mittlere Unternehmen eine preiswerte und einfach zu bedienende Alternative zu teuren Groupware-Paketen sein. Langfristig ist zu erwarten, dass die Wiki-Technologie um zusätzliche Groupware-Funktionen erweitert oder aber in traditionelle Groupware-Plattformen integriert wird.

Frank Bärmann (http://www.aixpressive.de) ist Marketingberater insbesondere für kleinere Mittelständler, der ein breites Spektrum an Leistungen anbietet. Er betreibt zusätzlich zu seiner Website den KMU-Marketing-Blog.

 

 

 

 

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