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2.0 - Von der Welle zum Business Case
22.8.2007
Web 2.0 - Von der Welle zum Business Case
Von Frank Bärmann
Neue
Software-Generation, Mitmachweb, Social Web oder einfach Web 2.0,
das alles sind Begriffe für eine scheinbar neue Ära des Internets.
Diese Ära läutet an sehr vielen Stellen eine Neuordnung der Gesetzmäßigkeiten
des Internets, eine neue Denkweise und Philosophie sowie neue
Geschäftmodelle ein.
Das Web ist zu einer eigenständigen sozialen Plattform geworden,
in der Interaktivität und Kreativität die treibenden Kräfte der
Entwicklung sind. Plötzlich entstanden eine ganze Reihe von neuen
Anwendungen wie Wikis, Weblogs sowie Bild- und Videoportale und
Technologien wie RSS und Podcasts. Die Ideen vieler dieser Anwendungen
sind zwar nicht ganz neu, haben aber erst durch die Web 2.0 Welle
eine echte Chance bekommen.
Anfänglich fand Web 2.0 im privaten Bereich statt, Vorreiter waren
wie in vielen Dingen die USA. Dort begannen Personen, private
Tagebücher im Internet zu führen, dort entstanden die ersten Videoportale
und die ersten Netzwerkplattformen. Irgendwann vor einigen Jahren
schwappte die Welle dann nicht nur nach Deutschland, sondern eroberte
auch die Business Welt. Findige Unternehmer gründeten Business-Netzwerke,
kommerzialisierten die Videoportale und setzten Weblogs für ihre
unternehmerische Kommunikation ein.
Mittlerweile findet man an sehr vielen Stellen im Internet Web
2.0 Ableger und Anwendungen - und immer geht es darum, eine so
genannte "Community", also eine Gruppe von Menschen mit gleichen
Interessen, an dem Wissen anderer teilhaben zu lassen.
Hierzu ein paar simple Beispiele:
Bei Amazon erhält der Käufer eines Buches den Hinweis "Kunden,
die Artikel gekauft haben, welche Sie sich kürzlich angesehen
haben, kauften auch ...", viele Shopping-Portale bieten die Möglichkeit
zur Bewertung von Produkten durch andere Kunden, die Online Enzyklopädie
Wikipedia lädt jeden Internetbenutzer
ein, mitzuarbeiten.
Auch und besonders Weblogs (Wortkreuzung aus engl. Web "Netz"
und Log, auch Blogs genannt) erfreuen sich bei Unternehmen immer
größerer Beliebtheit. Der Hersteller für Tiefkühlkost FRoSTA betreibt
beispielsweise einen der wohl erfolgreichsten und bekanntesten
Produktblogs der deutschen Blogszene. Das FRoSTA-Blog
ist ein Webtagebuch von FRoSTA-Mitarbeitern, die auf diese
Weise offen, ehrlich und aus erster Hand über die Marke FRoSTA
berichten und mit Kunden über aktuelle Themen aus dem Bereich
Ernährung diskutieren wollen.
Solche sogenannten Corporate Blogs treten in unterschiedlichen
Formen auf und können grundsätzlich unterschiedliche Funktion
haben. Charakteristisch ist dabei, dass sie dazu dienen, Kommunikations-
oder Marketingziele des Unternehmens zu verfolgen. Viele Unternehmen
nutzen Blogs zur direkten und unbeschwerten Kommunikation mit
dem Kunden. Dies ist nämlich einer der Hauptvorteile von Blogs.
Während Webseiten immer nur in eine Richtung kommunizieren - vom
Unternehmen zum Konsumenten - fließt die Kommunikation durch die
Kommentarfunktion und Verlinkungen von anderen Blogs ungefiltert
in beide Richtungen. Das Unternehmen bekommt also direkt die Meinung
des Verbrauchers mitgeteilt, im Idealfall kommt es zu einer konstruktiven
Diskussion. Aus Kunden werden Fans.
Blogs sorgen im positiven Fall für eine Erhöhung der Bekanntheits-
und Sympathiewerte des Unternehmens und bieten die Möglichkeit
zur guten Positionierung in Themenfeldern (die so genannte Reputation).
Das Unternehmen bekommt durch ein Blog eine persönliche Note.
Leider kann ein Blog, wenn es schlecht gemacht ist oder zum reinen
Marketing missbraucht wird, auch negative Auswirkungen haben,
über die sich jedes Unternehmen bewusst sein sollte. Weitere Möglichkeiten
der Nutzung von Blogs sind Marktforschung und Markt-Monitoring,
Krisen-Kommunikation und die Verbesserung des Suchmaschinen-Rankings.
Durch den enorm hohen Grad der Vernetzung untereinander steigen
Blogs oftmals schnell bei Google & Co. auf die begehrten vorderen
Plätze.
Wiki - Das besondere Content-Management-System
Mit der Web 2.0 hat sich im Mitmachweb eine neue Generation von
Content-Management-Systemen etabliert: Die Wikis.
Das Wort Wiki ist eine Ableitung des hawaiianischen Wortes WikiWiki
und bedeutet "schnell". "Schnell" trifft auch genau die Besonderheiten
und Vorteile eines Wiki: Es benötigt vom Benutzer keine oder wenig
Einarbeitungszeit, ist unkompliziert über den Browser zu bedienen
und Änderungen sind direkt nach dem Speichern sichtbar. Die Hemmschwelle
der Nutzer ist niedrig, so dass im Gegensatz zu vielen komplizierten
Knowledge-Management-Systemen, Mitarbeiter einfacher motiviert
werden können, ihr Wissen einzubringen.
Immer mehr Unternehmen nutzen Wikis für die interne Teamarbeit,
für das Projektmanagement und als Wissensbasis.
Laut einer Umfrage an der Universität zu Köln nutzen mittlerweile
58 % der befragten Unternehmen ein Wiki, 18 % haben eines geplant.
86 % der Unternehmen nannten als Grund für die Einführung eines
Wikis die einfache Benutzung. Wikis lassen sich heute als Basis
einer Wissensdatenbank, als Kommunikationsplattform, als Projektmanagementwerkzeug
oder zur Erstellen von Dokumentationen nutzen.
Die neuen Web 2.0 Technologien
Die Web 2.0 hat aber nicht nur neue Business-Anwendungen, neue
Generationen von Webseiten und Communities ins Leben gerufen.
Es sind in diesem Zusammenhang auch einige neue Technologien aufgetaucht,
die es sicher schon vorher gab, die aber wiederum mit Anwendungen
wie Google Maps oder Weblogs erst bekannt wurden. Drei wichtige
Vertreteter sind: RSS, AJAX und Podcast.
RSS steht für "Really Simple Syndication" und ist die neueste
Technologie zur "wirklich einfachen Verbreitung" von Informationen
an einen festen Abonnentenkreis. Während Newsletter und Rundsendungen
aufgrund der Kostenintensität sowie einer immer größer werdenden
Spam-Flut immer weiter an Bedeutung verlieren, sind RSS-Feeds
auf dem Vormarsch.
AJAX bedeutet "Asynchronous JavaScript and XML" und ist wohl eher
bei den Programmierern als bei den Nutzern ein Begriff. Dennoch
ist AJAX dabei, das Internet nachhaltig zu reformieren. Es handelt
sich um eine völlig neue Art von Webanwendungen, die die Nutzer
bei Google Maps, der Auto-Vervollständigung beim Eintippen von
Suchbegriffen oder der Korrektur von Tippfehlern nach dem Motto
"Meinten Sie vielleicht ..." kennen. Auch Bilder-Sharing Seiten
wie Flickr arbeiten mit AJAX. AJAX ermöglicht es, Inhalte und
Objekte im Browser neu aufzubauen, ohne dass nach jeder Aktion
die gesamte Seite neu geladen werden muss.
Podcast ist ein Kunstwort aus dem Markennamen "iPod" und Broadcasting
(engl. Für Rundfunk). Ein Podcast ist im ursprünglichen Sinn eine
Audiodatei, die über Newsfeeds verbreitet wird. Auch für Podcasts
gilt das "Web 2.0-Prinzip" der einfachen Erstellung und Verteilung.
Es menschelt im Web
"Ich kenne jemanden, der kennt jemanden und der kennt dich". Dieses
so genannte "Kleine Welt-Phänomen" machen sich Netzwerk-Plattformen
wie XING (ehemals openBC), StudiVZ,
MySpace oder StayFriends zunutze. Auch das ist Web 2.0. Während
die letzten drei wohl eher privater Natur sind, propagiert XING
den geschäftlichen Nutzen der Plattform. Diese hat über 1,5 Millionen
Mitglieder in 16 Nationen. Vom Handwerker, Experten bis zum Top-Manager
ist alles vertreten.Tausende von Unternehmen sind dort präsent.
In über 4000 themen-, branchen- und regionalbezogenen Gruppen
wird diskutiert, beratschlagt und ausgetauscht. Man meldet sich
an, definiert ein Profil, sucht sich relevante Gruppen, stellt
sich vor und macht mit. Nebenbei sucht man sich Bekannte, ehemalige
Kollegen, alte Freunde oder Kommilitonen. Vielleicht arbeitet
einer von denen bei Siemens oder Microsoft und es ist ein Auftrag
drin. Vielleicht.
Die Chancen von Web 2.0 im Business Bereich
Die Chancen für Web 2.0 für Unternehmen sind da - unbestritten.
Für wen aber was wie sinnvoll ist, bleibt natürlich offen. Blogs
sind nützlich, aber sicher nicht für jeden. XING kann helfen,
ein Netzwerk aufzubauen. Es gibt heute Unternehmen, die nur von
der Web 2.0.-Welle existieren oder durch sie entstanden sind.
Und es gibt welche, die nie damit konfrontiert werden.
Frank Bärmann (http://www.aixpressive.de)
ist Marketingberater insbesondere für kleinere Mittelständler,
der ein breites Spektrum an Leistungen anbietet. Er betreibt zusätzlich
zu seiner Website den KMU-Marketing-Blog.
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