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Wie Sie als Software-Hersteller Verkaufsprozesse gestalten können

Von Karsten Büttner

"Glückliche IT-Marketer", seufzte ein Kunde von mir, "die können wenigstens mit Software zum Testen Kunden ködern." Mit sogenannten Trial-Versions lassen sich in der Tat gut Geschäfte anbahnen. Ein Selbstläufer ist diese Art des "Kundenköderns" trotzdem nicht. Wie vermarkten Sie mit Trial-Software richtig, ist die zentrale Fragestellung des Artikels.

Testversionen einer Software sind ein gutes Marketingmittel, potenziellen Kunden statt mit Beschreibungen direkt in der Praxisanwendung zeigen zu können. Denn letztlich entscheidet ja der Anwender, was als "leicht zu lernen" und "einfach anzupassen" zu verstehen ist.

Egal ob mit eingeschränkter Funktion oder Vollversion mit zeitlicher Befristung, die Testversion ist die Nagelprobe für Werbeversprechen: Ist die Installation tatsächlich kinderleicht und problemlos? Was ist, wenn die Installation nicht klappt? Wie gut ist der Service in diesem Fall? Kann ich die wichtigsten Handgriffe wirklich in 30 Minuten lernen? Kann ich aus dem Test bereits ableiten, dass die Software unter dem Strich Zeit spart, wie die Werbung verspricht?

Die Testsoftware allein - und selbst die Nützlichkeit und Qualität der Anwendung - ist kein hinreichender Garant dafür, dass aus einer Vielzahl kostenfreier Downloads eine nennenswerte Anzahl bezahlter Vollversionen wird.

Share it (http://www.shareit.com), ein US-amerikanischer Softwareanbieter, fand heraus, dass ein zentraler Erfolgsfaktor das zeitlich befristete Angebot war.

Zeitdruck als Verkaufskurbel

Wer die Testversion herunterlud, erhielt gleichzeitig ein "einmaliges Angebot". Wer innerhalb von 24 Stunden die Vollversion bestellte, konnte die Software mit einem deutlichen Rabatt von 20 Prozent erwerben. Nach drei Tagen erhielten alle, die noch nicht gekauft hatten, ein neues Angebot mit 15prozentigem Abschlag. Wer nach einer Woche nicht bestellt hatte, konnte immerhin noch mit einem Rabatt von 10 Prozent rechnen, wenn er nun bestellte.

21,9 Prozent bestellten am ersten Tag, drei Tage später weitere 2,66 Prozent und nach einer Woche immerhin noch einmal 1,92 Prozent.

Die Erfahrung zeigt, dass eine zeitliche Befristung aus verschiedenen Gründen sinnvoll ist. Zum einen wird die Beschäftigung mit der Software von "irgendwann" auf "jetzt" vorgezogen. Denn: wer sich jetzt sofort nach dem Download mit der Software beschäftigt, hat zunächst einmal einen frischeren Eindruck von dem Kontext, in dem er die Software herunter geladen hat. Zum anderen wird er für die sofortige Beschäftigung mit der Software belohnt, wenn er sich zum Kauf entscheidet.

Fortsetzung der Kommunikation sorgt für weitere Verkäufe

In den meisten Fällen lassen es Unternehmen - wenn sie es überhaupt einsetzen - mit dem einmaligen Zeitdruck bewenden. Betrachten wir noch einmal die Zahlen. Durch die Angebote nach drei Tagen und nach einer Woche wurden noch einmal zusätzlich insgesamt 4,58 Prozent von den kostenlosen Testversionen in Vollversionen ungewandelt.

Lag die Konversionsrate bei Shareit ohne zeitliche Befristung bei 4,02 Prozent, so sorgten die gestaffelten zeitlich begrenzten Angebote für eine satte 6,52prozentige Umwandlung. Unter dem Strich bedeutete das für das Unternehmen einen Gewinnzuwachs von 26,5 Prozent.

Wie geht das in der Praxis?

Das Herunterladen der Software ist nicht direkt von der Website möglich. Der Interessent muss seine E-Mail-Adresse angeben und erhält einen Link zum Herunterladen der Test-Software. Dieses Verfahren gewährleistet, dass der Softwareanbieter eine gültige E-Mail-Adresse hat, um die Interessenten aktiv ansprechen zu können. Und das ist der entscheidende Faktor. Hier verschenken Software-Unternehmen wertvolle Werbegelder, indem sie mit einem direkten Download-Link auf ihrer Site sich um die Möglichkeit eines legitimen und kostengünstigen Interessentenkontakts bringen.

Allerdings sollten bei diesem ersten Kontakt nicht zu viele Daten abgefragt werden. Sie laufen hier nämlich Gefahr, wenig Verwertbares zu erhalten, weil die Herunterladenden noch kaum Vertrauen zu Ihnen gefaßt haben. Außerdem nutzen Ihnen die Daten im Vorfeld der Qualifizierung in der Regel nicht viel. Denn es muss auch Verfahren und vorallem Personalkapazitäten geben, die aus den erhobenen Daten sinnvolle Schlüsse ableiten können.

Die Qualifizierung kann nun - je nach Einrichtung - vollautomatisch oder teilautomatisch erfolgen. Wer nach 24 Stunden nicht bestellt hat, wird automatisch der Verteilergruppe B mit dem Angebot 15 Prozent Abschlag zugewiesen. Schließlich werden alle die nach drei Tagen nicht bestellt haben, der Gruppe C zugewiesen und nochmals mit einem weiteren Angebot angeschrieben.

Die Kommunikation läßt sich jetzt natürlich noch beliebig fortsetzen. Denkbar ist, dass die übrig gebliebenen Interessenten für einen kostenlosen Newsletter interessiert werden oder zu einem späteren Zeitpunkt nochmals angeschrieben werden, wenn es eine neue Version gibt.

Vorteile des Verfahrens

Branding

Selbst, wer die Software nicht erwirbt, ist mit dem Namen der Anwendung und gegebenenfalls mit dem Firmennamen in Kontakt gekommen. So hat der Testdownload einen marktstärkenden Effekt.

Qualifizierte Interessenten

Mit der Information, welche Testsoftware jemand heruntergeladen hat, ist die E-Mail-Adresse wertvoller geworden. Denn der Software-Hersteller kann nun anhand seiner Erfahrungen sehen, ob und welche Software aus seinem Haus eventuell für diese Interessenten noch in Frage käme. Das setzt voraus, dass das Unternehmen seine Kunden- und Interessentendatenbanken auch regelmäßig aus- und bewertet.

Glückliche IT-Marketer?

Es ist egal, ob Sie White Paper, Test-Software, Teleseminare oder andere Maßnahmen ergreifen, um die Interessenten zu qualifizieren. Entscheidend ist eine klare Zielsetzung, eine leicht handhabbare und konsequente Prozessgestaltung, damit das Ziel erreicht werden kann.

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