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Source Marketing: Ein schlafender Riese erwacht
Open Source Marketing (1): Ein schlafender Riese erwacht
Von Sascha Langner
Stellen
Sie sich vor: 5.000 Marketingspezialisten aus der ganzen Welt
beschäftigen sich kostenfrei mit der Vermarktung Ihres Produktes:
Entwickeln Ideen, Arbeiten Konzepte aus und übernehmen sogar die
Durchführung der Marketing-Maßnahmen. Geht nicht, sagen Sie? Stimmt.
Nicht im klassischen Marketing Sinne. Denkt man hingegen aus Sicht
der Open Source Gemeinde, sieht das ganze schon anders aus. Wie
die Community "Spread Firefox" beweist, schlummert in der ständig
wachsenden Vernetzung des Internet ein wahrer Marketing-Riese.
Wer von der Open Source Bewegung hört, denkt in der Regel zu
aller erst an Software. Linux, Open Office, Mozilla, Apache und
viele andere Open Source Projekte haben die Software-Landschaft
in den letzten Jahren nachhaltig geprägt. Und die Open Source
Bewegung ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Dies zeigt sich auch
darin, dass sie schon längst nicht mehr auf Software limitiert
ist. Immer mehr Menschen stellen ihr kreatives Schaffen der Allgemeinheit
zur Verfügung. Sie veröffentlichen Bilder, Videos oder Musik im
Netz, und alles, ohne Lizenzgebühren für ihr geistiges und kreatives
Schaffen zu verlangen.

Abbildung 1: Bekannte Open Source Projekte
Es war also nur eine Frage der Zeit bis die ersten Open Source
Projekte auf die Idee kommen würden, die Vermarktung ihrer Projekte
gemeinschaftlich zu planen und durchzuführen.
Firefox - Marketinghilfe von Tausenden engagierter Helfer
Der bislang erfolgreichste Begründer des noch jungen Open Source
Marketing ist die Mozilla Foundation. Das Non-Profit Unternehmen
organisiert, koordiniert und verwaltet die Entwicklung des Webbrowsers
Firefox. Mit einem Marktanteil von mittlerweile 8,5%[1] ist Firefox
die erste ernstzunehmende Herausforderung für Microsofts Internet
Explorer seit Jahren - nicht zuletzt auch durch seine Open Source
orientierte Vermarktung.
Im Mittelpunkt von Mozilla's innovativen Marketing Konzept steht
die Website "Spread Firefox"[2]. Diese zählt mittlerweile 50.000
- 75.000 Unique Visitors pro Tag und ist quasi das Internet-Hauptquartier
vieler weltweit durchgeführter Marketingmaßnahmen zur Erhöhung
der Nutzerzahlen des Browsers.
Open Source Marketing in der Praxis
Um das Marketing für Firefox gemeinschaftlich planen und koordinieren
zu können, setzt Mozilla konsequent auf die Erfolgsregeln von
Open Source Entwicklungen. Das Non-Profit Unternehmen begründete
eine Community, schaffte die Grundlagen für einen konstruktiven
Ideenaustausch unter den Mitgliedern und integrierte Mechanismen
zur Motivation und Auswahl der schließlich umzusetzenden Vorschläge.
Mozilla erreichte dies hauptsächlich über Foren, Blogs und Chats
auf SpreadFirefox.com.
In einem nächsten Schritt wurden Arbeitskreise aus Freiwilligen
gebildet, deren Aufgabe es war, themenspezifisch Ideen zu bewerten,
inhaltliche Details zu erarbeiten und die praktische Umsetzung
mit den Mitgliedern der Community zu koordinieren. Vieles, was
Mozilla an strategischer Rahmenplanung und Artwork für Marketingmaßnahmen
benötigt, wird in den Arbeitsgruppen erdacht und intelligent passenden
Community Mitgliedern als Arbeitspaket zugeteilt.
Was sich auf den ersten Blick ein wenig bürokratisch anhört,
ist bei näherem Hinschauen ein lebendiger Evolutionsprozess. 15
unterschiedliche Arbeitsgruppen mit spezifischen Marketingschwerpunkten
hat das Projekt bereits hervorgebracht.

Abbildung 2: Ausgewählte Marketingarbeitsgruppen
auf SpreadFirefox.com
Die Arbeitsgruppen organisieren in sich umfangreiche Marketing-Maßnahmen
(wie etwa Mittel und Wege der Verbreitung des Browsers auf CD-ROM
und DVD Medien von Computermagazinen, Promotion auf Messen, etc.).
Sie entwerfen aber auch Strategien und Taktiken, die jeder Webmaster
nutzen kann, um die Bekanntheit und Verbreitung von Firefox zu
steigern (beispielsweise über Banner, Buttons, e-Mail Signaturen,
etc.).
Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Mittlerweile zählt
der Server von Mozilla fast 27 Mio. Downloads. In ein paar Studien
wird Firefox dadurch bereits ein 10prozentiger Marktanteil bescheinigt.
Ohne Motivation geht nichts - auch nicht bei Open Source
Projekten
Um die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft langfristig zu motivieren,
setzt Spread Firefox auf ein simples Belohnungssystem. So erhält
jedes Mitglied der Community eine einzigartige ID zugewiesen.
Wer nun beispielsweise auf seiner Website einen Button (mit seiner
ID) zur Downloadseite des Browsers setzt, erhält für jeden über
ihn ausgelösten Download einen Punkt. Auch für die Gewinnung neuer
Community Mitglieder gibt es Punkte wie auch für besondere Leistungen
für die Gemeinschaft.
Anhand der Punktzahl wird wiederum ein Ranking aller Teilnehmer
gebildet. Die Websites der 250 engagiertesten Mitglieder werden
gut sichtbar auf den Seiten von spreadfirefox.com (PageRank 8)
genannt und verlinkt. Damit auch neue Mitglieder eine Chance haben,
wird für das Ranking nicht die Gesamtzahl der Punkte herangezogen,
sondern nur die Entwicklung der letzten 7 Tagen. Zudem gibt es
ein zweites Ranking, dass nur die engagiertesten neuen Mitglieder
listet.

Abbildung 3: Die Top 5 Mitglieder der Community
werden auf jeder Seite von SpreadFirefox.com hervorgehoben.
Um auch kleinen Webmastern zu danken, werden bei jedem Seitenaufruf
von SpreadFirefox zufällig Websites aus dem Fundus aller Community-Mitglieder
am oberen Seitenrand dankend erwähnt.
Neben den offensichtlichen Vorteilen der PageRank 8 Verlinkung
für das Suchmaschinenmarketing lohnt sich eine hohe Punktzahl
natürlich auch zur Kundengewinnung. Die Seitenabrufe der Website
spreadfirefox.com sichern einen kontinuierlich hohen Besucherstrom
auf die eigene Seite.
Wem solche Belohnungen nur wenig bringen, für den bietet die
Community ab einer bestimmten Punktzahl auch kostenlose Merchandising
Artikel (wie T-Shirts, Plüschtiere, etc.), eine exklusive Firefox
e-Mail Adresse sowie die Chance, Sachpreise wie z.B. einen iPod
zu gewinnen.
Open Source Marketing kann nicht alles ersetzen
Auch wenn viele Entwicklungs-, Planungs- und Umsetzungsprozesse
auf die Community übertragen werden können, gibt es dennoch Bereiche,
wo Mozilla eingreifen muss. So werden viele praktische Abläufe
von Mitarbeitern des Unternehmens angestoßen und koordiniert,
um einen effizienteren Ablauf zu gewährleisten[3].
Manche Elemente des Marketing kann die Community auch nur bedingt
übernehmen. Es ist beispielsweise ziemlich unwahrscheinlich, dass
eines der Community-Mitglieder gute Kontakte zu überregionalen
Tageszeitungen wie der New York Times besitzt. Die Gemeinschaft
kann im Rahmen der Pressearbeit zwar aufgefordert werden, zu thematisch
passenden Artikeln Leserbriefe zu schreiben, ob der jeweilige
Journalist dies jedoch als Anreiz dazu sieht, einen Artikel über
den Browser zu schreiben, ist fraglich. Größere Chancen hat man
hier über ein spezialisiertes Unternehmen. So nimmt Mozilla zum
Beispiel die Dienstleistungen einer Top PR-Agentur in Anspruch.
Vielen Community Ideen fehlt es zudem auch an der notwendigen
Finanzierung. Das Open Source Projekt ist deshalb immer auch auf
Spenden angewiesen, um kostenträchtige Vermarktungsideen (wie
etwa die Schaltung von Anzeigen in Magazinen und Zeitungen) umzusetzen.
Weiter zu Teil 2
Quellen:
[1] Chip:
Firefox nimmt dem Internet Explorer Marktanteile ab (vom 01.03.2005)
[2] http://www.spreadfirefox.com
[3] Firefox:
Marketing's Borg - The new browser taps the power of the collective.
Resistance is futile (Thomas Mucha), 2. Dezember 2004.
Sascha Langner ist u.a. Autor von Business Bestseller Viral
Marketing und betreibt die Website marke-x
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