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Lokale Suche - Hype oder Hurra?
Lokale Suche - Hype oder Hurra?
Von Karsten Büttner
"Alle
Geschäftstätigkeiten sind lokal, heißt es programmatisch. Faktisch
hat über ein Viertel der Anfragen in Suchmaschinen einen lokalen
Bezug. Was liegt da näher, dieses Bedürfnis in einen Markt zu
verwandeln? Was passiert gerade am Markt und nützt Unternehmen
die "Lokale Suche" wirklich?

Unter dem Stichwort "Lokale Suche" starten nicht nur die traditionellen
Branchenbuchverlage, sondern auch große Unternehmen aus dem E-Business
durch. Google, MSN, Yahoo, Web.de, Gelbe Seiten, Go Yellow und
YellowMap versuchen mehr oder weniger zwei Welten miteinander
zu verbinden, um dem Suchenden einen Nutzen und dem Anbieter satte
Gewinne zu bescheren. Das Mittel zum Zweck sind die lokalen Unternehmen,
die ein Interesse haben, vor Ort besser sichtbar zu sein.
Während Google und Microsoft in den USA bereits mit lokalen
Suchmöglichkeiten online sind, werden die Starts für Deutschland
für das laufende Jahr 2006 erwartet. Pünktlich zur Cebit ist Web.de
gerade mit seiner Betaversion an den Start gegangen, T- Info ist
mit Suchen.de nachgezogen und
im Windschatten der Großen haben YellowMap.de
und GoYellow.de und meinestadt.de
ihre Versionen zur "Lokalen Suche" ins Netz gestellt.
Bei so viel Interesse von Traditionalisten und E-Business zugleich
mag man an einen neuen, bevorstehenden Boom glauben. Grund genug,
einmal genauer hinzuschauen, was für einen Nutzen Werbetreibende
zu erwarten haben.
Lokale Suche - Die Sicht des Kunden
Sie wollen mit Geschäftsfreunden essen gehen. Ihr Lieblings- Restaurant
hat jedoch heute Ruhetag. Nun suchen Sie etwas Passendes, das
nicht nur gutes Essen, sondern zugleich gute Anreise- und Parkmöglichkeiten
ausweist. Mit den herkömmlichen Nachschlagewerken werden Sie bei
diesen Fragen noch allein gelassen.
Folgt man den Vorbildern, werden wir schon bald von zu Hause aus
recherchieren, was es im französischen Feinschmecker-Restaurant
auf der Speisekarte gibt. Mehr noch: wir erfahren, wie Gäste Essen
und Service bewertet haben und ob es für den heutigen Abend noch
Plätze gibt (die online reserviert werden können).
Selbstredend
zeigt uns ein Routenplaner, wie man zum Restaurant kommt. Eine
Luftaufnahme oder eine Webcam zeigen uns, ob es generell vor dem
Haus Parkplätze gibt. Wenn diese knapp sind, wollen wir wissen,
ob es in nächster Nähe Parkplätze gibt. Zählen Sie zu den Jüngeren
oder Junggebliebenen, fängt der Abend nach dem Essen ja erst an.
Schnell wird man mit dem Handy herausfinden, welche Bar oder Disko
jetzt noch für den abendlichen Ausklang geeignet ist.
In den USA arbeitet "Google Local"
als Zusatznutzen mit Rezensionen. Zufriedene (und sicher auch
unzufriedene) Gäste geben ihre Kommentare zum Service ab.
Lokale Suche - Die Sicht der Anbieter
Gleich drei Fliegen mit einer Klappe wollen die Anbieter von lokalen
Suchdiensten erschlagen: Zum einen sind kleine und mittelständische
Unternehmen eher lokal und regional als global tätig. Zum zweiten
zeigt sich, dass sehr viele Unternehmen im Internet schlecht gefunden
werden. Zum dritten gibt es noch immer ein Potenzial an Unternehmen,
die noch gar nicht online sind. Die können mit einfachen Online-Auftritten
gewonnen werden. (Die Website als Visitenkarte ist offenbar ein
Wiedergänger!)
Diese Faktoren haben gleich mehrere große Spieler auf den Plan
gerufen. Google, Yahoo, Web.de, MSN und Telekom-Unternehmen Suchen.de
wetteifern, wer die beste lokale Suchfunktion zur Verfügung stellt.
Lokale Suche - Die Sicht der Werbetreibenden
Für die werbetreibenden Unternehmen stellen sich die Fragen, wenn
es darum geht, lokal Aufmerksamkeit zu erzeugen, anders.
Sechs wesentliche Faktoren sind es zunächst einmal, ob für die
besagten kleinen und mittleren Unternehmen "Lokale Suche" als
Vermarktungsinstrument attraktiv wird:
1. Wie werden sich in Zukunft Suchende verhalten?
2. Wie stehen Suche und Kaufwunsch miteinander in Beziehung?
3. Wie bekannt ist der jeweilige Dienst "Lokale Suche" bei den
potenziellen Nutzern?
4. Welchen zusätzlichen Nutzen können die Anbieter dem lokalen
Werbetreibenden anbieten?
5. Wie stark wird der Markt durchdrungen, wie hoch ist die Reichweite?
6. Wie gut können Anbieter lokaler Suchen den Nutzen durch Erfolgsmessung
belegen?
1. Wie werden sich in Zukunft Suchende verhalten?
Schon heute ist erkennbar, dass die unter 30jährigen Google
und Konsorten als globales Werkzeug zur Beantwortung jedweder
Lebensfragen heranziehen. Doch daraus ergibt sich die nächste
Frage:
2. Wie stehen Suche und Kaufwunsch miteinander in Beziehung?
Verschiedene Untersuchungen belegen, dass es klare Zusammenhänge
zwischen Kaufwunsch und Suchmaschinennutzung gibt. Diese lassen
sich grob so klassifizieren:
Wer in einer generellen Suchmaschinen wie Google mit generischen
(allgemeinen) Begriffen sucht, will sich zunächst "nur" informieren.
Wo gekauft wird, ist zum Abschluss der Suche noch unklar.
Wer in einer Preissuchmaschine sucht, ist meist bereit, direkt
online das günstigste Angebot zu kaufen.
Wer über lokale Suche einen Anbieter vor Ort finden will, ist
zumindest interessiert, direkten Kontakt aufzunehmen.
Das heißt: Wenn Sie bei einem Anbieter wie Go Yellow oder meinestadt.de
Werbung schalten, sollten Sie dem Suchenden so viel Informationen
wie möglich bieten, damit dieser zu Ihnen kommt oder direkt Kontakt
aufnimmt. Für den stationären Handel heißt das zum Beispiel Öffnungszeiten
nennen, für andere Dienstleister ist das vielleicht ein Rückrufservice.
"Lokale Suche" ist also kein Selbstläufer. Die Werbung in entsprechenden
Medien muss an die Ziele angepaßt werden. Ein "so wie auf unserer
Visitenkarte" oder "Wie unsere Website" funktioniert nicht. Die
zentrale Frage ist: Welche Informationen sind für meinen potenziellen
Kunden entscheidungsrelevant? Und die Antwort fällt je nach Branche
- ob Versicherungsvertreter, Restaurant oder Autowerkstatt - sehr
unterschiedlich aus.
3. Wie bekannt ist der jeweilige Dienst "Lokale Suche" bei den
potenziellen Nutzern?
Schon jetzt wetteifern etwa zehn verschiedene Anbieter mit "Lokale
Suche". Ob alle zehn oder vielleicht noch mehr am Markt bestehen
werden, ist längst nicht klar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass
der Kuchen, anders als beim Suchmaschinenmarketing, in viele unterschiedlich
große Stücke geteilt wird.
Hier gilt es für die werbetreibenden Unternehmen abzuwägen, welche
Anbieter für ihn die wichtigsten Klientel bedienen.
Namen wie Google und Yahoo haben sicherlich auf Grund ihrer sonstigen
Aktivitäten einen höheren Bekanntheitsgrad als YellowMap oder
GoYellow.
Die nächsten Monate werden zeigen, welche werblichen Aktivitäten
die einzelnen Anbieter unternehmen werden, um die jeweiligen Dienste
bekannter zu machen.
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Wer bietet "Lokale Suche" an oder plant
diese?
Web.de - online
meinestadt.de - online
Yahoo - nutzt Ergebnisse aus Das Örtliche
Gelbe Seiten - online
Das Örtliche - online
YellowMap - online
GoYellow - online
Suchen.de (t-info) - online in der Betaphase
Google Deutschland (angekündigt für 2006)
MSN (angekündigt für 2006)
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4. Welchen zusätzlichen Nutzen können die Lokale-Suche-Anbieter
dem Werbetreibenden anbieten?
Etliche Angebote gehen nicht wesentlich über ein gewöhnliches
Branchenbuch, das einfach auf das Internet aufgesetzt wurde, hinaus.
Da hilft es auch nicht, einem Stadtplan, in den der Suchende hineinzoomen
kann, das Prädikat interaktiv zu verleihen.
Ein wenig mehr bietet Das
Örtliche, ohne jedoch über das klassische Branchenbuch
wesentlich hinauszugehen.
Yellowmap scheint sich
mit seinem Angebot zunächst einmal an die klassische Gelbe-Seiten-Klientel
zu wenden. Man kann Hervorhebungen des Eintrags bekommen, in der
Werbeliste höher gelistet werden, unter verschiedenen Branchen
und Suchbegriffen gefunden werden und ein paar zusätzliche Bilder
und Texte einfügen. Daneben sind suchwortgesteuerte Kleinanzeigen
á la Google möglich. Mehr Darstellungsmöglichkeiten gibt es nicht.
Mit 46,80 Euro - 118,80 Euro pro Jahr ist das Angebot vergleichsweise
moderat. Allerdings scheint mir der Nutzen auch nicht sehr hoch
zu sein.

Hier hat ein Unternehmen die Möglichkeit, bereits ein erstes
Angebot zu platzieren.
Bei GoYellow wird der übliche
Eintrag durch die Angebote TopLink und GoTop ergänzt. GoTop mit
358,80 Euro im Jahr hat eine ganze Reihe an Nutzen zu bieten:
Eintrag in der Kartenanzeige, Finden unter 15 Suchbegriffen, ausführliche
Präsentation des Unternehmens mit den Menüpunkten Leistungen,
Aktuelles, Geschäftszeiten, Anfahrt, Routenplaner, Karte sowie
ein Link auf die Website, kostenlose Anrufmöglichkeit (für Kunden
und Angerufenen).
Die anderen Anbieter liegen mit ihren Angeboten sowohl preislich
als auch leistungsmäßig, soweit überhaupt bereits Preise vorliegen,
dazwischen.
5. Wie stark wird der Markt durchdrungen, wie hoch ist die
Reichweite?
Während Google den strategischen Vorteil hat, mit seiner globalen
Suche in Deutschland Marktführer zu sein, muss dieses nicht unbedingt
für die lokale Suche gelten.
Zwar scheint Google mit seinen Adwords einen strategischen Vorteil
zu besitzen. Denn Google Adwords können bereits heute lokal geschaltet
werden können. Ob dieser Markt in Deutschland allerdings so einträglich
sein wird, steht noch in den Sternen. Zur Zeit sind unter den
gegenwärtigen Bedingungen für viele Branchen lokale Anzeigen mangels
entsprechender Nachfrage selbst in deutschen Metropolen mit Google
Adwords uninteressant, von der Provinz ganz zu schweigen.
Netto-Reichweite ist der entscheidende Faktor, ob sich ein herausgehobener
Eintrag unter "Lokale Suche" lohnt. Denn was nutzt einer Autowerkstatt
die theoretische Reichweite von 12,42 Millionen Internetanwendern
bei Web.de, wenn auf den jeweiligen Ort und die Branche heruntergebrochen
gerade noch 100 pro Monat übrig bleiben.
So ist es auch nicht verwunderlich, dass keiner der Anbieter über
Reichweiten im lokalen Bereich spricht. Die wenigsten Anbieter
veröffentlichen überhaupt Mediadaten.
6. Wie gut können Anbieter lokaler Suchen den Nutzen durch Erfolgsmessung
belegen?
Bislang läßt sich der Nutzen von Gelben Seiten und ähnlichen Branchenbüchern
meist nicht belegen. Anders könnte das mit den lokalen Suchen
dann laufen, wenn eine Erfolgsmessung betrieben würde: Angefangen
von der Messung der Aufrufe der Suchbegriffe, Branchen und des
eigenen Sucheintrags bis hin zu der Möglichkeit, beispielsweise
Gutscheine zu hinterlegen, die nur von Nutzern des jeweiligen
Suchdienstes in Anspruch genommen werden können.
Lohnt sich die "Lokale Suche" für Werbetreibende?
Einen Punkt haben wir noch nicht betrachtet: das Preis-Leistungs-
Verhältnis. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den bislang verfügbaren
Angeboten ist sehr unterschiedlich. Doch selbst ein umfangreiches
Leistungspaket, wie es beispielsweise GoYellow bietet, hat seinen
wahren Wert für den Werbetreibenden erst, wenn tatsächlich darüber
eine gewisse Anzahl an Interessenten (besser noch: Kunden) generiert
wird.
Sie tun gut daran, die Erwartungen an die "Lokale Suche" niedrig
zu hängen. Wenn überhaupt kann die "Lokale Suche" nur ein sehr
kleiner Baustein sein, um Aufmerksamkeit für ein Unternehmen zu
erzeugen.

Beispiel für eine Anzeige bei GoYellow
Was können Sie konkret erwarten? Rechnen Sie einmal, was für
gewöhnlich die Kundengewinnung in anderen Medien für Sie kostet.
Nehmen wir an, Sie müssen 25,- Euro pro Kunde investieren, dann
können Sie bei 358,- Euro Werbeinvestition pro Jahr froh sein,
wenn Sie damit 14 Kunden bekommen. Mehr zu erwarten, wäre naiv.
Da Sie außerdem keine Vergleichsdaten über Reichweiten der Anbieter
bekommen können, werden Sie ins Blaue hinein bei einigen Anbietern
parallel schalten. Dabei werden Sie leicht auf 1.000 Euro im Jahr
kommen. Das ist zwar im Grunde nicht viel. In meinen Augen sind
Zeit und Geld - zumindest in 2006 - besser anderweitig aufgehoben
als bei der Werbung "Lokale Suche".
Fazit
Es ist nicht auszuschließen, dass sich hier ein kleiner Markt
auftut.Eindeutige und einzige Gewinner der Lokalen Suche sind
zur Zeit die Anbieter, wenn es ihnen gelingt, genügend Werbetreibende
für ihren Service zu finden. Der Nutzen für den Werbetreibenden
ist nicht wirklich nachvollziehbar. Er zahlt hier nicht für die
tatsächlichen Interessenten und Kunden, sondern nur für die mögliche
Wahrnehmung eines Angebots.
Während bei einer Zeitung oder einem Plakat immerhin noch eine
gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Werbung gesehen wird,
ist dieses bei einem virtuellen Branchenbuch keineswegs gewiß.
Außerdem: An keiner Stelle äußern sich die Anbieter dazu, was
sie dafür tun werden, dass ihr Angebot bekannt(er) wird.
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