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Automatische Leadqualifizierung mit Lead-Scoring

Von Karsten Büttner

Wer im reinen Geschäftskundengeschäft tätig ist, weiß um den komplexen Kundengewinnungsprozess. Dreh- und Angelpunkt der Angelegenheit ist die Leadgenerierung und -qualifizierung. Wie zumindest ein Teil diesr Aufgaben automatisiert werden kann, erfahren Sie hier.

Klassisch ist der Streit zwischen Marketing- und Verkaufsabteilung, was denn ein Lead ausmacht. Fehlt eine gemeinsame Definition, resultiert daraus eine ineffiziente und kostenintensive Kundengewinnung. Doch selbst mit einer guten gemeinsamen Basis ist Leadqualifizierung noch immer ein Prozess, der viel Optimierungspotenzial birgt.

Was ist also ein Lead?

Überspitzt sieht es vielen Unternehmen so aus: die Firmenleitung gibt die Parole aus, dass bis zum Quartalsende 500 neue Leads generiert werden sollen. Die Marketingabteilung gibt sich die beste Mühe. Auf der nächsten Messe werden über 500 Visitenkarten gesammelt, mit Informationen auf der Rückseite angereichert, in eine Datenbank eingegeben und der Verkaufsabteilung überstellt. Die wiederum ist genervt, weil sich in der Datenbank jede Menge Altkunden, "irgendwie" Interessierte, Branchenfremde, Studierende und andere nicht brauchbare Kontakte befinden.

Lead = Interessent?

Eine besondere Problematik besteht im deutschsprachigen Marketing, dass gerne englische Begriffe mit deutschen Bedeutungen unterlegt werden, die ursprünglich nicht intendiert sind. Beim Lead hat das Missverständnis erheblich Folgen. Lead wird oft mit Interessent übersetzt oder zumindest gedanklich damit gleichgesetzt. Doch sieht man sich den ursprünglichen Zusammenhang aus dem Angloamerikanischen an, dann fällt auf, dass hier ein viel feineres Gespür für Unterschiede vorhanden ist:

Supect - Prospect - Lead - Opportunity - Sales

Während "Suspect" als Zielgruppe und "Prospect" als Interessent und "Opportunity" als Kaufwilliger übersetzt werden kann, fehlt es beim Lead an einer differenzierten Übersetzung. Und die Über-Setzung ist in der Tat schwierig, bezeichnet doch Lead mehr einen Überbegriff für einen Übergangsprozess.

Wann ist ein Lead ein Lead?

So wie Herbert Grönemeyers Lied "Männer" die vielen Facetten vom Mannsein beschreibt, ist ein Lead auch nicht als einfacher Status beschreibbar. Die angloamerikanische Literatur hält für uns das Akronym DAWN bereit, das mit Desire-Authority-Willingness-Need den Lead beschreibt. Ich übersetze das ins Deutsche mit den vier Bs: Begehren - Bedarf - Befugnis - Bereitschaft (Budget). Diese vier Ansprüche an den Lead sind gewissermaßen das Entwicklungsziel.

Lead ist ein Entwicklungsziel

Im Begriff Lead-Generierung ist das Entstehen, das Prozesshafte enthalten. Am Anfang der "Lead-Genesis" steht jemand, der sich durch Begehren und Bedarf offenbart hat. Denn Suchmaschinen und Portale ermöglichen uns Begehren und Bedarf zu sehen. Beide sind zunächst einmal nur abstrakt in Form einer statistischen Größe vorhanden.

Wir können anhand der Suchmaschinenstatistik erkennen, dass es für ein Produkt oder eine Leistung ein bestimmtes quantifizierbares Interesse gibt. Das Ziel ist es, im Laufe eines Prozesses herauszufinden, ob unser Ansprechpartner die Befugnis hat, über die Anschafung unseres Produktes zu entscheiden. Und Sie müssen in Erfahrung bringen, ob oder wann die Bereitschaft da ist, die Anschaffung zu tätigen.

Doch zunächst müssen wir möglichst viel von der abstrakten Größe in ansprechbare Personen wandeln. Das tun wir zum Beispiel dadurch, dass wir aufgrund unserer Kenntnis eines "mittleren Suchvolumens" für unsere Produkte, eine Anzeige bei einem Suchmaschinenanbieter schalten.

Wer auf die Anzeige klickt und dann Kontaktdaten - in der Regel seine E-Mail - hinterläßt, ist gewissermaßen ein Lead in der Entwicklung.

Er kann bereits ganz unterschiedliche Qualitäten mitbringen: Es kann jemand sein, der erst einmal nur neugierig ist oder jemand, der am Anfang eines Kaufprozesses Informationen aller Art sammelt oder jemand, der bereits Lösungsansätze bewertet oder es ist bereits jemand, der nur noch ein wenig Anstoss benötigt, um zu kaufen.

Automatische Leadgenerierung

Nehmen wir an: Sie möchten eine EDV-Lösung verkaufen. Ziel ist es, möglichst viele Prozesse in der Vorverkaufsphase zu automatisieren.

Die Voraussetzung: ein White Paper, E-Mailmarketing und Lead-Scoring.

Und so geht's:

1. Sie schalten eine Anzeige (bei einer einschlägigen Suchmaschine oder in Newslettern). Diese thematisiert ein bestimmtes Problem, für das Sie eine Lösung anbieten.

2. Wer auf den Link in der Anzeige geklickt hat, bekommt die Möglichkeit, ein White Paper zu einem spezifischen Problem herunterzuladen.


White Paper. Ein White Paper ist ein Dokument zwischen 6 - 15 Seiten, das lösungsorientiert und kundenzentriert ein Thema für Entscheider so aufbereitet, dass sie wesentliche Kriterien zur Entscheidungsfindung erhalten. Vom Stil her ist es nicht-werblich, sondern journalistisch ausgerichtet. Hier finden Sie mehr Informationen zum White Paper.

E-Mailmarketing. E-Mailmarketing beschreibt eine systematische Marketing-Kommunikation per E-Mail, die neben Newsletter, E-Mail-Abfolgen (E-Mailkurs, E-Mailkampagne), E-Mail-Anzeigen und sogenannte Standalone-Mails kennt. Während sich Newsletter und E-Mail-Abfolgen an die unternehmenseigene Liste gerichtet sind, werden E-Mail-Anzeigen und Standalones an eine fremde Adressenliste gerichtet.

Lead-Scoring. Lead-Scoring beschreibt einen formalisierten Prozess, die Qualität eines Leads mit Punkten zu bewerten. Während den Beschreibungen A-, B- oder C-Lead häufig subjektive Maßstäbe zugrundeliegen, ist der Anspruch des Lead-Scorings die Qualifizierung anhand nachvollziehbarer Handlungen (Punktevergabe) zu objektivieren beziehungsweise diesen Vorgang zu automatisieren.


3. Um die Wertigkeit Ihres White Papers gegenüber Artikeln oder anderen Dokumenten hervorzuheben, erheben Sie mindestens eine E-Mailadresse und den Vor- und Nachnamen des Nachfragenden. Je nach Bekanntheit Ihres Unternehmens können Sie bereits weitere Qualifizierungsmerkmale wie Position im Unternehmen erfragen.

4. Das Herunterladen (oder Zusenden) des White Papers ist lediglich der Auftakt der Leadgenerierung. Im folgenden Prozess werden Sie zur Weiterqualifizierung weitere Informationsangebote unterbreiten. Die jeweilige Anforderung der Informationen beziehungsweise das Öffnen der jeweiligen Mails werden Sie mit Punkten belegen. Hat ein Interessent ein von Ihnen angebotenes Rechenwerkzeug heruntergeladen, erhält er gegenüber demjenigen, der dieses nicht getan hat, Punkte.

5. Dieses Vorgehen wählen Sie für verschiedene Vorgänge. So können Sie dem Öffnen von weiteren Mails Punkte zuordnen.

6. Erst wenn ein bestimmter Punktwert erreicht wird, wird ein persönliches Eingreifen des Marketingteams erforderlich. Dieses bringt Punktwert und Position im Unternehmen in Verbindung und entscheidet nun, wer als Lead an die Verkaufsabteilung weitergeleitet wird und wer zunächst noch weiter "angefüttert" wird.

Lead-Scoring - ein Beispiel

In einem Lead-Scoring könnte festgelegt werden:

  • Empfänger öffnet E-Mail mit White Paper 50 Punkte
  • Empfänger öffnet Folgemail 25 Punkte
  • Empfänger klickt auf Link zu einem Rechenwerkzeug 25 Punkte
  • Empfänger öffnet weitere Folgemail 25 Punkte
  • Empfänger ruft Zusatzinformationen ab 25 Punkte
  • Empfänger füllt Fragebogen aus 50 Punkte

Festgelegt werden könnte dann:

  • A-Kontakt = mind. 175 Punkte
  • B-Kontakt = mind. 125 Punkte
  • C-Kontakt = mind. 75 Punkte

Daraus ergäbe sich folgendes Vorgehen:

A-Kontakte erhalten eine E-Mail, in der ein Gesprächstermin, eine Präsentation oder ein ähnlicher persönlicher Kontakt angeboten wird, um das Interesse des jeweiligen Interessenten abzufragen.

B-Kontakte erhielten eine oder weitere E-Mails, mit dem Ziel, dass diese mit dem Unternehmen innerhalb eines halben Jahres (?) Kontakt aufnehmen.

C-Kontakte würden auf den Newsletter hingewiesen, erhielten über einen längeren Zeitraum zusätzlich (automatisch) weitere E-Mails, die bestimmte Aspekte der angefragten Problemlösung berühren. Eine Qualifizierung ist hier auf einen längeren Zeitraum - vielleicht ein Jahr - ausgelegt.


Es geht kompliziert, doch einfach geht es auch


Typischerweise werden für obige Anforderungen komplexe CRM-Systeme eingesetzt. Aber es geht auch wesentlich einfacher. Sie können den Vorqualifizierungsprozess White Paper gegen E-Mailadresse plus Folgemails mit einer Reihe von E-Mailmarketing-Lösungen automatisieren. Die einfachste, preiswerteste und zugleich aber auch leistungsstärkste Lösung für diesen speziellen Zweck heißt AutoResponsePlus. Mit etwa 200 Euro (einmalige Kosten ohne weitere Gebühren) ist diese Lösung auch für kleine Unternehmen eine Investition, die sich schnell amortisiert.

Mit dieser so genannten Follow-Up-Responder-Software können Sie die zeitliche Abfolge der einzelnen Mails individuell steuern und mit den E-Mails auch weitere Dokumente versenden oder in den Mails messbare Links aktivieren.


Mit AutoResponsePlus können Sie ganz einfach eine
Abfolge von E-Mails erstellen, ergänzen, verändern und auch den zeitlichen Abstand der einzelnen Mails komfortabel ändern.

So finden Sie heraus, wer zu den A-Kontakten gehört

Um nun herauszufinden, wer zu A-Kontakten gehört, rufen Sie den Report-Bereich auf und markieren die Mails und Links, die jemand geklickt haben sollte, um - in unserem Fall - auf mindestens 175 Punkte zu kommen.

Sie können ganz einfach Bedingungen wie "hat auf Fragebogen geklickt" und "hat Rechenwerkzeug heruntergeladen" auswählen. Damit legen Sie indirekt Ihre Lead-Scoringwerte fest und erhalten nun in der Auswahl die Adressaten, auf die die entsprechenden Kriterien zutreffen. Diese können Sie nun in eine Extradatei exportieren und dem Lead-Scoringwert angemessene weitere Handlungen vornehmen.

Haben Sie nun noch weitere Daten wie zum Beispiel die Position erhoben, können Sie aus diesen Rohdaten plus Auswertung der Fragebogen sehr schnell eine Datei mit echten A-Leads anfertigen und der Verkaufsabteilung überstellen.

Fazit

Automatisierte Vorqualifizierung von Leads ist möglich, wenn es eine eindeutige Leaddefinition und ein wohl definiertes Verfahren gibt, welches zumindest einen Teil der 4 Bs (Begehren - Bedarf - Befugnis - Bereitschaft) vorklären kann. Die dafür benötigte Software ist für wenig Geld erhältlich.

Online-Marketing-Praxis bietet zum Thema Leadgenerierung und -qualifizierung entsprechende Leistungen (Beratung, Kampagnenkonzeption, Durchführung) an.

 

 

 

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