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Artikel Gemeinsam
vermarkten - der nächste Schritt im sozialen Netzwerk?
19.9.2007
Gemeinsam vermarkten - der nächste Schritt im sozialen Netzwerk?
Von Karsten Büttner
Wenn
Web 2.0 einen Fokus verstärkt hat, dann den auf soziale Netzwerke.
Und da liegt eigentlich der Schritt zum gemeinsamen Marketing
nahe. Eigentlich. Denn in der Praxis sind die erfolgreichen Beispiele
im virtuellen Raum dünn gesät. Dabei liegen die Vorteile klar
auf der Hand ...
Wenn nicht-konkurrierende Unternehmen sich zwecks Vermarktung
zusammenschließen, dann vervielfacht sich die Reichweite bei gleichzeitiger
Verringerung der Kosten. So die Theorie. Und die funktioniert
sogar.
Arbeitsgemeinschaften im Baugewerbe, Stadtmarketing oder die gemeinsame
Vermarktung einer Straße, eines Einkaufszentrums - im physischen
Raum sind erfolgreiche Kooperationen gängige Praxis.
In der virtuellen Gegenwelt dagegen sind - entgegen der nahezu
paradiesisch zu nennenden technisch-organisatorischen Bedingungen
- allein die Versuche schon selten.
Warum ist das so?
Wenn von den wenigen Versuchen auch noch etliche sang- und klanglos
scheitern, stellt sich die Frage nach den Erfolgsfaktoren für
virtuelle Kooperationen.
Doch der Reihe nach: Welche Möglichkeiten der virtuellen Kooperationen
sind denkbar, welche existieren (noch), welche sind gescheitert?
Grob unterscheiden lassen sich zwei Grundmodelle:
1. Gemeinsame Vermarktung
2. Gemeinsamer Verkauf
1. Gemeinsame Vermarktung
Die einfachste Form der kooperativen Vermarktung besteht darin,
die bloße Information über Lösungen zusammenzufassen und zu verbreiten.
E-Book, Newsletter oder Portal sind dafür die typischen Ausformungen.
Gemeinsam Anbieter bekannt machen
In einem früheren Artikel über kooperatives
Marketing habe ich Bernd Röthlingshofers kostenloses Adressbuch
"Wer macht eigentlich Werbung mit kleinem Budget" vorgestellt.
In diesem Buch sind "einfach" Agenturen und Kleinunternehmen vertreten,
die für andere ebenso große Unternehmen Marketing betreiben. Jeder
kann und darf sich das E-Book auf der eigenen Site zum Download
bereit stellen.
Das Konzept ist wirkungsvoll, weil
- das Buch für alle Beteiligten einen klar erkennbaren Nutzen
bietet
- die Erstellung kostengünstig ist
- die Verbreitung allein durch die beteiligten Partner enorm
ist
- der Sinn und Wert in einem Satz kommuniziert werden kann
Extranutzen Gutscheinheft
Die Idee an sich ist smart und im klassischen Direktmarketing
durchaus erfolgreich: Unterschiedliche Firmen geben ein gemeinsames
Gutscheinheft heraus und vertreiben dieses an ihre vorhandenen
und potenziellen Kunden. Damit wirbt jeder für sich und seine
Partner.
Ein virtuelles Pendant wiegut.de
scheiterte jedoch. Hier dürften die außerordentlich breite Vielfalt
der Themen und eine fehlende klare Zielrichtung dazu beigetragen
haben, dass das Projekt nie richtig in Gang kam. So konnte das
Gutscheinheft auch schlecht vermarktet werden, weil es "für alle"
war.
Gemeinsam Adressaten sammeln und qualifizieren - Smartdex
Einen anderen Ansatz der Marketingkooperation wählt Smartdex.
Das Geschäftsfeld des hannoverschen Startups sind Geschäftsadressen.
Doch im Gegensatz zu klassischen Adresshändlern können hier nur
Mitglieder Adressen erwerben. Mitglieder sind es aber auch, die
eigene Adressbestände einbringen und pflegen.
Mit einem internen Verrechnungsschlüssel können die Firmen wiederum
für ihre eingebrachten Kontakte "frische" Adressen nutzen. Gehandelt
werden nur Geschäftsadressen, die öffentlich zugänglich sind.
Die Daten selbst werden strukturiert aufgenommen und sind nach
bestimmten Auswahlkriterien (Stellung im Unternehmen, Branche)
durchsuchbar. Die gekauften oder getauschten Adressen können für
eigene Werbeaktionen nach dem Kauf exportiert werden. Eine Nutzungseinschränkung,
wie sie bei herkömmlichen Adressbrokern besteht, gibt es nicht.
Während das Projekt rechtlich anscheinend hinreichend abgesichert
ist, steht und fällt der Nutzen mit der Verantwortung des Einzelnen
für die Gemeinschaft. Denn eine vertragsmäßige Verpflichtung zur
Aktualisierung der Daten durch die Mitglieder gibt es nicht.
Nicht nachprüfbar ist schließlich, woher die einzelnen Mitglieder
ihren Adressbestand akquiriert haben. Hier können Smartdex und
auch den Nutzern des Adressbestands unangenehme Fragen ins Haus
stehen. Denn nicht alles, was erlaubt ist, wird von der Gemeinschaft
gut geheißen.
Empfehlungs-Netzwerke
Netzwerke wie das Hamburger Jetztwerk
leben vorwiegend von dem persönlichen Austausch und dem Wissen,
was der andere kann. Grafiker, Texter, Programmierer, Productioner,
Marketingleute - das Spektrum ist gross. Genaue Grenzen gibt es
nicht, weil nicht die Branche oder Tätigkeit den Ausschlag gibt,
sondern die Sympathie für eine Person.
Während Versuche gemeinsamer Vermarktung an den unterschiedlichen
Vorstellungen, wer welche Arbeit tun soll, scheiterten, sind es
persönliche Empfehlungen, die den zentralen Nutzen für die Beteiligten
darstellen.
2. Gemeinsamer Verkauf unter einem Dach
Klassischer Weise sieht gemeinsamer Verkauf so aus: Ein Unternehmen
stellt die technisch-organisatorische Plattform bereit, um Verkäufe
abzuwickeln. Außerdem betreibt er offensiv die Vermarktung der
Plattform. Für das Ermöglichen bekommt der Plattform-Betreiber
eine Provision.
Wer auf dieser Plattform verkauft, darüber entscheidet allein
der Betreiber. So gibt es auf den meisten Verkaufsplattformen
natürlicherweise auch Konkurrenz.
Zwei Modelle sind hier gebräuchlich:
1. Shop mit getrennten Warenkörben
2. Shop mit gemeinsamem Warenkorb
Gemeinsamer Shop, getrennte Warenkörbe
Ein Beispiel für die einfachste Form einer gemeinsamen Shopplattform
liefert zum Beispiel Kauflux.
Die Plattformbetreiber bieten einen Marktplatz an, auf dem sie
auch die Marktstände selbst vermieten. Alles weitere jedoch, regelt
jeder Marktstand selbst. Jeder hat seinen eigenen Warenkorb und
legt seine Lieferbedingungen fest.
Das lässt dem Händler den größmöglichen Freiraum. Für den Kunden
jedoch sind unterschiedliche Lieferkosten und -bedingungen möglicherweise
kaufhemmend.
Gemeinsamer Shop mit einem Warenkorb
Die Nachteile des vorigen Systems versuchen Anbieter wie Tradoria
zu vermeiden. Sie räumen dem Kunden ein, aus unterschiedlichen
Shops Waren in einen Warenkorb zu tun. Auch die Lieferbedingungen
sind vereinheitlicht, die rechtliche Seite mit einer Rechtsanwältin
abgeklärt. Auch das Inkasso wird vom Unternehmen übernommen.
Diese Art der gemeinsamen Vermarktung bietet also eine Reihe von
Vorteilen sowohl für Händler als auch für Kunden. Auch hier entscheidet
der Plattformbetreiber, wer auf dem Marktplatz verkaufen darf.
Der gemeinsame Warenkorb und die über Shopgrenzen greifende Suche
ist sicher für den Kunden ein unschätzbarer Vorteil. - Der Händler
jedoch läuft Gefahr, seine Identität zu verlieren, beziehungsweise
diese erst gar nicht aufbauen zu können.
Fazit
Eine gemeinsame Vermarktung findet offenbar erfolgreich dort statt,
wo folgende Bedingungen vorhanden sind:
- klare Verteilung der Kompetenzen
- zentrale technisch-organisatorische Leistung
- zentrales Marketing
- erfolgsorientierte Provision
Plattformen, auf denen sich untereinander bekannte Unternehmen
zusammengeschlossen haben, um gemeinsam zu vermarkten, sind mir
nicht bekannt. Gerne höre ich von Ihnen, wenn Sie Beispiele kennen.
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