|
Start
Bücher Permission
Marketing
Permission Marketing. Bücher von Seth Godin und Torsten
Schwarz
Von Karsten Büttner
Seth
Godin hat ein wegweisendes Buch unter dem Titel "Permission Marketing"
geschrieben, das seit diesem Frühjahr auch in Deutsch erhältlich
ist. Wenngleich das Buch für viele Berater schon ein alter Hut
ist, so haben sich die Ideen in der Praxis noch nicht so gefestigt,
als dass man Permission Marketing von Seth Godin nicht noch einmal
würdigen könnte.
Aus
seiner Beobachtung, dass die traditionelle Wirkung der traditionellen
Werbung extrem zurückgegangen ist, weil sie als Unterbrechung
wahrgenommen wird und dieser Ansatz in den letzten Jahren sogar
noch verstärkt wurde. Doch die Massenwerbung hat ausgedient.
Auch das Direktmarketing, das scheinbar personalisierte
Angebote schickt, basiert eher auf vermuteten Zusammenhängen von
gewissen demographischen Faktoren. Sie lässt außer acht, dass
die Segmentierung und Individualisierung in der Gesellschaft sich
auch in der Einzelperson findet. Und: mit einer durchschnittlich
Responserate von 2 Prozent sind 98 Prozent des Werbeetats dennoch
verschwendet.
Aufmerksamkeit gewinnen
Wer immer Erfolg in der Wirtschaft haben will, benötigt Aufmerksamkeit.
Die ist jedoch ein knappes Gut angesichts einer Überfülle
von Angeboten. Aus dieser Tatsache folgert Seth Godin, sei es
sinnvoll eine Werbungzu entwickeln, für den der Verbraucher bereit
ist, seine Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Drei Grundsätzen muss diese Werbung entsprechen:
- sie muss vom Empfänger erwartet werden
- sie muss persönlich sein
- sie muss für ihn relevant sein
Traditionelle Werbung verbringt die Zeit damit, Fremde zu unterbrechen.
Erlaubnismarketing versucht, aus Fremden möglichst
schnell zu Freunden und potenziellen Kunden zu machen,
der aus freien Stücken in die Kommunikation des Vermarkters einzuwilligen.
In fünf Schritten zur Kundengewinnung
In fünf Schritten will Godin potenzielle Kunden gewinnen:
- dem potenziellen Kunden Anreiz bieten, seine Bereitschaft
für den Marktdialog zu erlauben
- die Aufmerksamkeit des Interessenten nutzen, um ihn längerfristig
über Produkte oder Dienstleistungen zu informieren
- den Anreiz verstärken, damit der Kunde die erteilte Erlaubnis
aufrecht erhält
- zusätzliche Anreize bieten, um die erteilte Erlaubnis zu vertiefen.
- die Erlaubnis nutzen, über einen längeren Zeitraum hinweg
das Verhalten des Kunden zu verändern, mit dem Ziel Gewinne
zu steigern.
Im Grunde - sagt Seth Godin - ist das Konzept des Erlaubnismarketings
alt. Es rührt noch aus der vor-industriellen Phase, in der Märkte
wirklich noch Gespräche waren. Allerdings bieten die
neuen Technologien eine bessere Anwendung als vorher.
Dennoch: um die erstmalige Unterbrechung kommt auch ein Seth
Godin nicht herum. Doch er "stört", wenn es gut geht, eben nur
einmal. Dann holt er sich von den Interessenten die Erlaubnis,
sie weiterhin über das gewünschte Thema informiert zu halten.
Unterbrechungswerbung dagegen setzt wiederholt hohe Werbe-Etats
für Nicht-Interessierte ein, ohne den wirklich Interessierten
einen exklusiven Nutzen versprechen zu können.
Permission Marketing ist zum einen auf einen langsamen
Prozess konzipiert, zum anderen lebt es von der hohen Frequenz.
"Wenn Sie die Frequenz, mit der Ihre Werbung erscheint, um 100
% steigern, dann können Sie normalerweise deren Effektivität um
400 % steigern."
Frequenz ist nach Godin wichtiger als Reichweite. Es ist besser
25 Personen viermal als 100 Personen einmal anzusprechen. Denn
Frequenz ist nicht nur eine wiederholte Werbewirkung, sondern
dient dem Vertrauensaufbau.
Fünf Wertstufen
Fünf Stufen sieht Godin beim Permission Marketing. Bei der Bewertung
ist für ihn die Möglichkeit des wiederholten Verkaufs an einen
vorhandenen Kunden ausschlaggebend.
Die höchste Stufe beschreibt er als die intravenöse. Sie
dürfen dem Kunden alles verkaufen. Er vertraut Ihnen (fast) blind.
Darunter befinden sich Punktsysteme wie Rabattkarten oder
Vielflieger-Rabatte.
Als drittwichtigste Ebene bezeichnet er die persönliche Beziehung.
Markenvertrauen sei zwar nicht unwichtig, aber seiner
Meinung nach auf der zweitniedrigsten Ebene anzusiedeln, weil
sie eben keine persönliche Bindung darstelle. Der Hersteller oder
Händler wisse nichts oder kaum etwas über den Nutzer.
Situationsbedingte Erlaubnis bezieht sich auf den einmaligen
Verkauf und ist daher die niedrigste Stufe, weil sie keine weiteren
Verkäufe zulässt.
Für Seth Godin ist das Internet ein großartiges Instrument
zur Direktvermarktung. Kein Wunder also, wenn er daher
jedem rät, seine Website "zu 100 % darauf [zu] konzipieren, Fremde
zur Teilnahme zu bewegen und sie dazu bringen, Ihnen die Erlaubnis
für weitere Vermarktungsanstrengungen zu geben."
Ein klein wenig geschmälert wird der Lesegenuss des Buches allerdings
durch eine schwache deutsche Übersetzung, die stellenweise sogar
falsche Begriffe einführt. Spätestens ein Lektorat hätte hier
korrigierend eingreifen müssen. Wer großzügig darüber weglesen
kann, wird an dem Buch dennoch seinen Spaß und Gewinn haben.
Torsten Schwarz: Permission Marketing macht Kunden süchtig
Hat
man Seth Godin gelesen und sieht das Inhaltsverzeichnis von Torsten
Schwarz, so sieht man - nicht überraschend - die gleichen Schlagworte
und Begriffe. Schwarz versteht es jedoch in den ersten zwei Dritteln
des Buches das Thema mit eigenen Beispielen zu füllen, hat er
doch als Marketingleiter von Llynch Media genügend Praxiserfahrungen
gesammelt.
Noch eines hat Schwarz übernommen: Den amerikanischen Stil. So
kommt das Buch sehr klar gegliedert, in einfachen Worten geschrieben,
mit Abstracts am Kapitel-Anfang und einer Kapitelzusammenfassung
sowie reichlich illustrativen Info-Kästen.
Eines zeigt der Autor zudem deutlich: Permission Marketing ist
nicht auf E-Mail beschränkt. Erlaubnis-Vermarktung ist
ein allgemeiner, ethisch-orientierter Marketing-Ansatz,
der den Kunden nicht nur respektiert, sondern ihn
im besten Fall in das Unternehmen integriert.
Wo Seth Godin eher anekdotisch auf die Verbindungslinie zum One-to-One-Marketing
verweist, versucht Schwarz diese Karte im letzten Drittel
des Buches auszuspielen.
Wie man Kundenwünsche kennenlernt, wie man das Wissen
über Kunden zur Bindung einsetzt und letztlich wie man Kunden
zum Kauf bewegt, behandeln die letzten drei Kapitel.
Allerdings, und darin besteht die Schwäche dieses Teils, handelt
er diese Themen recht oberflächlich ab. Fragen werden aufgewor-fen,
deren Beantwortungen in Allgemeinplätzen etwas untergehen. Dann
werden eben noch Bonusprogramme als Kundenbindungsinstrument angerissen
oder Schlagworte wie Datamining oder Recommendation Engines eingeworfen,
doch bleibt das alles ein wenig blass.
Godins und Schwarz' Buch sind jeweils Einführungen in das Thema
und erläutern den Ansatz des Erlaubnis-Marketings eindrücklich.
Seth Godin: Permission Marketing. Kunden wollen wählen
können. München, Finanzbuch Verlag 2001, 288 Seiten, 59,00
DM
Jetzt
bei Amazon bestellen
(Versandkostenfrei und mit Rückgabe-Garantie)
Torsten Schwarz: Permission Marketing macht Kunden
süchtig. Würzburg, Max Schimmel Verlag 2000, 303 Seiten,
49,00 DM
Jetzt
bei Amazon bestellen
(Versandkostenfrei und mit Rückgabe-Garantie)
Besuchen Sie auch unseren Bookshop
mit ausgesuchten Büchern für Online-Marketer.
Inhaltsangaben, Leseproben, Rezensionen, Bestellmöglichkeit,
einige kostenfreie E-Books.
|