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Business Communities - Bullinger u.a

Von Karsten Büttner

Buchcover Business CommunitiesMit Business Communities legt Galileo Press das zweite Buch zum Thema Virtuelle Gemeinschaften vor. Während die aus dem Amerikanischen übersetzte Community Building on the Web vom Amy Jo Kim die Erwartungen an ein How To-Buch erfüllt, ist die Kost bei Business Communities etwas schwerer. Ein wenig akademisch - kein Wunder: stammen die Autoren was alle aus der Fraunhofer Gesellschaft - ist es nichtsdestotrotz ein gutes Buch, das den Schwerpunkt auf komerzielle Geschäftsmodelle legt.

Die Autoren beleuchten das Thema von verschiedenen Standpunkten aus äußerst gründlich. Wenn man eine Warnung vorausschicken sollte, dann diese: Sie sollten es nicht als Einsteigerbuch lesen. Doch haben Sie bereits Vorwissen - sei es durch das Buch von Amy Jo Kim - dann lernen Sie in diesem Buch noch viel dazu.

Ein Vorteil des Buches besteht beispielsweise darin, dass die Autoren auf vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen und akademische Kleinarbeit haben zurückgreifen können, die sich ein freier Autor unmöglich hätte leisten können.

So wartet das Buch unter anderem mit einer Übersicht von über 130 virtueller Gemeinschaften auf. Eine Fleißarbeit, gewiss, aber eben nur ein Baustein von vielen hilfreichen Hinweisen und Analysen.

Ich täte dem Buch Unrecht, wollte ich nur den Service-Aspekt hervorheben.

Exkurse wie der über Software-Agenten sind mehr als Exkurse. Sie eröffnen eigentlich erst die engen Perspektiven des Marketings, die vielerorts noch in Unternehmen vorherrschend sind. Software-Agenten können in verschiedener Ausformung eine hohe Service-Funktion übernehmen. Sie können Kaufvorgänge erleichtern oder mittels künstlicher Intelligenz im Bereich der E-Mail-Kommunikation zur Beantwortung von Anfragen eingesetzt werden.

Während ein Kapitel Strategien und Geschäftsmodelle für Entscheider in der Managementebene ein wenig oberflächlich sein dürfte, entschädigt das folgende Kapitel Geschäftsstrukturen. Hier liegt der Schwerpunkt auf den Rol-len und Prozessen.

Das ist meines Erachtens deswegen interessant, weil es den Blick für die Notwendigkeit strategischer Kooperationen und (geschäftliche) Netzwerke schärft. Es ist nicht sinnvoll, dass ein Unternehmen gesamte Unternehmensprozesse im Haus selbst realisiert.

Virtuelle Gemeinschaften erzielen eine hohe Kundenbindung, hohe Besuchsfrequenz und eine lange Verweildauer auf der Site. Damit sind sie ein ideales Umfeld für E-Business.

Doch die weichen Faktoren werden von Unternehmen in der Regel unterschätzt. Hierauf zielt das Kapitel Community Kultur ab. Neben Usability-Kriterien (Nutzungsfreundlichkeit) sehen die Autoren Motivations- und Anreizfunktionen, Response-Systeme (wie zum Beispiel ein Bewertungs- und Reputationssystem) als wichtige Faktoren, um Vertrauen - die Grundlage für Geschäftsanbahnungen - herzustellen.

Auch wenn ich eingangs bemerkte, dass eine gewisse akademische Note nicht zu verkennen ist, so bleiben die Texte selbst in Kapiteln wie Technologie gut verständlich. Sie kommen weitgehend ohne nebelwerfendes Fachchinesisch aus. Auf entscheidungsrelevante Fakten beschränkt erläutern die Autoren des Fraunhofer Instituts Managern aus den Kommunikationsabteilungen die nötigen Anforderungen für Business Communities.

Wenngleich sich die Autoren aus verständlichen Gründen Software-Empfehlungen enthalten, geben sie den Managern Werkzeuge und Bewertungskriterien in die Hand, um eine Anforderungsanalyse zu erstellen.

Das Buch enthält eine Vielzahl von Fallbeispielen, die den Stand und die Möglichkeiten kommerzieller Gemeinschaften zeigen. Die Autoren lassen keinen Zweifel daran: Business Communities sind weitaus aufwendiger als die erste Generation der Unternehmens-Websites, auf denen weitgehend Gorilla-Marketing betreiben wurde.

Noch eines wird deutlich: Die vereinfachende These, dass mit dem E-Business Prozesse für Unternehmen kostengünstiger und einfach werden, dürfte spätestens nach diesem Buch für jeden widerlegt sein.

Allerdings ist für die Autoren unstrittig, so aufwendig die Anstrengungen für Unternehmen sein werden, so unumgänglich und überlebenswichtig werden für eine Vielzahl von Unternehmen funktionierende virtuelle Gemeinschaf-ten schon in naher Zukunft sein.

Bullinger u.a.: Business Communities. Professionelles Beziehungsmanagement von Kunden, Mitarbeitern und B2B-Partnern im Internet. Bonn 2002, ISBN 3-89842-121-X

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