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und wie Sie Ihre Meinungsmärkte beobachten sollten
Warum und wie Sie Ihre Meinungsmärkte beobachten sollten
Web-Monitoring als Frühwarnsystem
Von Karsten Büttner
Viele
Unternehmens-Krisen entstehen dank des Internets heute in Echtzeit.
Die einfachen Publikationsmöglichkeiten, die unüberprüfbare, schnelle
Verbreitung, hohe Akzeptanz von Meinungs-Seiten stellen allein
schon ein gewisses Bedrohungspotenzial für Unternehmen dar. Warum
und was Sie tun können, welche Dienstleistungen es für Sie gibt,
erfahren Sie in diesem Artikel.
Unternehmen müssen sich mit verschiedenen Öffentlichkeiten auseinandersetzen.
Ob es Investoren, Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten oder Medien
sind - alle stehen in einem Wechselspiel der Meinungsmärkte. Waren
es bis vor kurzem hauptsächlich die klassischen Medien, die zusammen
mit Lobbys als zentrale Meinungsmacher galten, so sind mit dem
Internet eine ganze Reihe neuer Multiplikatoren
entstanden, die durch die alten Raster von PR-Managern fallen.
Chat-Rooms, Newsgroups, Foren - für viele Unternehmen sind das
eher Begriffe aus einer Jugendkultur, um die man sich nicht kümmern
muss.
Groß ist aber die Überraschung, wenn aus dieser Ecke sich Widerstand
gegen Produkte oder Vorgehen von Unternehmen formiert. Man muss
gar nicht einmal die Diskussion um Globalisierung als Zeugen anführen,
es genügen die ganz gewöhnlichen Verbraucherforen wie Ciao. Dort
tauschen sich tägliche tausende von Lesern über Produkte und Dienstleistungen
von Unternehmen aus. Dabei handelt es sich hierbei noch um einen
vergleichsweise gesprächsbereiten Meinungsmarkt.
Unangenehmer kann es für Unternehmen werden, wenn Fake- und Hate-Sites
entstanden sind. Die nachgemachten Websites (Fakes) sehen dem
Original häufig zum Verwechseln ähnlich, aber enthalten natürlich
eine andere Sicht der Dinge. Hate-Sites gehen in der Eskalationsstufe
noch weiter. Sie enthalten alles, was es an wüsten Beschimpfungen
gibt. Sie sind häufig ein Ausdruck von frustrierten Kunden, die
mit der Dialogfähigkeit der so beschimpften Firmen ihre negativen
Erfahrungen gesammelt haben.
Web-Monitoring
Traditionell ist die Beobachtung der Meinungsmärkte eine Aufgabe
der Public Relations-Abteilung. Wesentliches Ziel ist es, unternehmensrelevante
Inhalte zu identifizieren und zu beobachten.
Dabei geht es im wesentlichen um drei Bereiche:
- Kontrolle von möglichen Urheber- oder Namensrechtsverletzungen
- Markenmissbrauch und Produktpiraterie
- Image-Studien
Was sind die Auslöser von Krisen?
- Fehlerhafte Produkte und Leugnung von Problemen
Der Rückruf fehlerhafter Reifen oder kritischer Medikamente
kann ein Unternehmen finanziell stark belasten. Doch die
Leugnung von Problemen kann ein Unternehmen Glaubwürdigkeit
und letztlich Kopf und Kragen kosten.
- Rufschädigung durch Multiplikatoren
Es muss nur eine gut lancierte Meldung durch einen Mitbewerber
sein und Multiplikatoren greifen die Meldung dankbar auf.
- Verletzung gesellschaftliche Normen und Moral-vorstellungen
Natürlich hat jede Kultur ihre eigenen Tabus, eigenen
Moralvorstellungen. Wo eine nackte Frauenbrust in einer
Werbeanzeige in Deutschland problemlos durchgeht, kann
in den Vereinigten Staaten ein Unternehmen unter Umständen
seinem Ruf schaden.
- Unternehmensinterne Krisen
Die Veränderung von Eigentumsverhältnissen oder Weggang
von Führungspersonal kann zu einer tiefen Verunsicherung
der Mitarbeiter führen. Eine zur falschen Zeit nach außen
getragene Diskussion kann sich wiederum negativ auf Anleger,
Investoren und Märkte auswirken.
- Schädigung durch äußere Einflüsse
Auch Unternehmen, die nachweislich "sauber" arbeiten,
können unter dem Eindruck von allgemeinen Meinungen und
Einschätzungen belastet werden. So traf die BSE-Krise
anfangs nicht nur die konventionelle Landwirtschaft, sondern
auch die ökologische Landwirtschaft.
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Dass das Internet in die Beobachtung einbezogen wird, ist letztlich
eine logische Konsequenz, die sich aus der Verlagerung von Publikationsformen
und den Möglichkeiten der Meinungsmärkte ergibt.
Web-Monitoring ist eine Weiterentwicklung der bekannten Verfahren,
bei denen die Public Relations-Abteilungen zum Beispiel die Medienresonanz
auf ein Ereignis auswerten.
Web-Monitoring kann ein Frühwarnsystem sein. Doch es kommt
darauf an, wie Unternehmen mit Beobachtungs-Ergebnissen umgehen,
ob sie den Dialog wirklich ernst nehmen. In Unternehmen
wie dem Chemiekonzern Hoechst war es viele Jahre Praxis, dass
man die Medienresonanz quantifizierte und einen mathematischen
Grenzwert für öffentliche Wahrnehmung festgelegte.
Lag bei einem stattgefundenen Störfall die Medienresonanz über
dem besagten Wert, so reagierte das Unternehmen entsprechend.
Waren die Zahlen jedoch unterhalb des Rauschpegels, sah man sich
auch nicht veranlasst, Stellung zu beziehen. Eine Haltung, wie
sie sicherlich nur in der Vor-Internet-Ära möglich war.
Wie können Sie das Internet beobachten?
Datenbanken
Datenbanken wie Genios speichern im allgemeinen nur traditionelle
Medien. Die Datenbanken bieten zudem einen stark retrospektiven
und recht eingeschränkten Blick.
Manuelles Web-Monitoring
Als einfachster Weg erscheint zunächst die von Zeit zu Zeit vorgenommene
Abfrage von Begriffen in Suchmaschinen. Abgesehen davon, dass
dieser Vorgang zeitraubend ist, decken Suchmaschinen nur einen
geringen Teil der Publikationen im Internet ab. (Hierbei nutzen
wir "Internet" als Chiffre und nicht als technisch-exakte Bezeichnung
für eine Reihe von Diensten.)
So sind beispielsweise Chats, Newsgroups oder Mailinglisten in
den seltensten Fällen in den Ergebnissen von Suchmaschinenergebnissen
zu finden. Aber auch das Aufscheinen von Themen auf Websites ist
stark von der Vermarktung der einzelnen Sites abhängig.
Denn ein Meinungsforum wird kaum die in den Diskussionen gerade
aktuellen Themen für die Suchmaschinen aufbereiten. Das heißt:
für eine systematische Überwachung fehlt es bei der Suchmaschinen-Maßnahme
an Substanz.
Automatisches Monitoring
Die Low-Budget und Low-Tech-Variante könnte dann so aussehen:
Geht es Ihnen nur darum, die traditionelle Presse zu be-obachten,
genügt ein Presse-Ausschnittdienst:
Wollen Sie auch die Websites der Mitbewerber automa-tisch beobachten,
dann ist ein Service wie MindIt
eine mögliche Ergänzung.
Qualität der Ergebnisse
Allerdings werden die Grenzen der oben genannten Maßnahmen sehr
schnell deutlich: Meinungsbildung läuft vielfach jenseits der
klassischen Medien ab. Auch relevante Trends lassen sich mit den
oben genannten Mitteln kaum identifizieren. Wollen Sie zum Beispiel
wissen, in welche Richtung die Diskussionen um Customer Relationship-Systeme
in nächster Zeit gehen wird, benötigen Sie nicht nur weit mehr
Quellen, sondern auch eine Bewertung der Suchergebnisse. Liefern
traditionelle Suchmaschinen im wesentlichen ihre Ergebnisse aus
einem bloßen Abgleich von identischen oder teil-identischen Wörtern
- also eine Volltextre-cherche - so braucht es für eine qualitative
Aussage andere Verfahren.
Zum Einsatz kommen dabei Ansätze, die unter dem Schlagwort Künstliche
Intelligenz zusammengefasst werden können. Sie sorgen dafür, dass
zum Beispiel "Teekessel-Wörter" (Hahn, Bank) im richtigen Zusammenhang
analysiert werden. So können mit diesen Verfahren im Zusammenhang
mit der Anfrage "Deutsche Bank" nicht nur Ergebnisse über Parkbänke,
sondern auch über die "Dresdner Bank" ausgeschlossen werden. Mit
der Analyse von Wortclustern, der Häufigkeit von Begriffen, der
relativen Nähe von bestimmten Wörtern zueinander, entsteht ohne
menschliches Zutun bereits eine Inhaltsanalyse von erfassten Beiträgen.
Gridpatrol ist eine Unternehmung, die angetreten ist, 95 Prozent
des Netzes überwachen zu können. Dabei können die virtuellen James
Bonds nach eigenen Angaben sehr unterschiedliche Dienste von WWW,
FTP über Chat, Newsgroups und auch Peer-to-Peer-Netzwerke durchforsten.
Mit den fehlenden fünf Prozent ist die verschlüsselte Kommunikation
gemeint.
Dieses Fehlen wird von Kritikern gerne als Aufhänger genommen,
man wiege Kunden mit Web-Monitoring in Sicherheit. So wird angeführt,
dass gerade in der verschlüsselten Kommunikation wesentliche Planungen
für Aktionen liefen.
Dagegen ist zu halten, dass der größte Teil der Unternehmenskrisen,
deren direkten Einfluss man im Internet sehen kann, bislang auf
öffentlichen Plattformen entstanden ist. So sind ja Unternehmenskrisen
wie die von Intel - man erinnert sich an die Leugnung eines defekten
Chips - gerade aufgrund des öffentlichen Drucks und nicht durch
hinter verschlossenen Türen geplanten Aktionen hervorgerufen worden.
Web-Monitoring kann nur ein Baustein für eine verantwortliche
Online-Public Relations-Strategie sein. Ein unbedingtes Muss
ist - eine verantwortliche Unternehmenspolitik vorausgesetzt -
eine Krisenprophylaxe.
Das heißt auch, die Erstellung von "Dark Sites". Gemeint
sind Notfall-Seiten, die für verschiedene Szenarien bereits im
wesentlichen vorgefertigt und im Ernstfall mit wenigen Handgriffen
aktualisiert und in kürzester Zeit aktiviert werden können.
Mit Web-Monitoring ist eine Früherkennung möglich. Dafür müssen
natürlich die meinungsführenden Medien ausgemacht und kontinuierlich
beobachtet werden. Daher sollte man nicht darauf verfallen, wenn
sich eine Krise abzeichnet, "mal eben" Web-Monitoring einzusetzen.
Web-Monitoring benötigt natürlich - wie jede andere seriöse Analyse
- einen gewissen Zeitrahmen, um aussagefähige Vergleichsdaten
zu liefern. Wer wissen will, was eine Image-Kampagne für ein Unternehmen
bringen kann, benötigt "Vorher-Nachher"-Werte.
Die Aufgaben des Web-Monitoring können ganz unterschiedlich sein.
Da wird das börsennotierte Unternehmen über eine fingierte Pressemeldung
frühzeitig informiert, so dass dieses schnelle Gegenmaßnahmen
ergreifen kann. In anderen Fällen ermittelt man wegen der Verletzung
des Urheberrechts bei elektronischen Produkten, identifiziert
illegale Tätigkeiten.
Ein großer Vorteil des Web-Monitorings besteht darin, dass es
tagesaktuell arbeiten kann. Traditionelle Verfahren liefern
nur eine zeitlich stark verzögerte Analyse - für das schnelllebige
Netz ein großes Manko. Neben der analytischen Funktion besteht
der große Vorteil darin, schnell Maßnahmen ergreifen zu können.
Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es bereits Szenarien gibt:
"Wer unternimmt was, wenn in einem Verbraucherforum eines unserer
Produkte zu unrecht kritisiert wird?"
Web-Monitoring ist Teil einer Strategie, um die Gangbarkeiten
eines Unternehmens zu erhalten. Damit ist gemeint,
das eigene Vorgehen mit dem der relevanten Öffentlichkeiten abzugleichen
und gegebenenfalls anzupassen.
Um es noch einmal deutlich zu sagen: es geht hier nicht darum,
neurotisch nach "Gefahren" zu fahnden, sondern zu schauen, wo
welche Meinungen und Ansichten entstehen, um auch die eigene Unternehmens-Position
zu überprüfen.
Beispiele für Monitoring-Services
http://www.presswatch.de
Neben der traditionellen Medienbeobachtung werden auch Newsgroups
und Foren ausgewertet.
http://www.bc.lab.de
filtert Informationen aus Foren, Newsgroups, Mailinglisten und
Online-Magazinen. Dabei werden maschinelle Überwachung und menschliche
Auswertung der Ergebnisse genutzt.
http://www.publicwebwatch.at
Das österreichische Unternehmen beobachtet fast 1.300 deutschsprachige
Newsgroups sowie Mailinglisten und Newsdienste.
http://www.gridpatrol.de
Gridpatrol ist mit dem Anspruch angetreten, Märkte zu beobachten,
Markenmissbrauch, Produktpiraterie und Imageschädigungen herauszufinden.
http://www.arguscan.de
Auch mit diesem Dienstleister können Sie u.a. Foren und Newsgroups
beobachten lassen.
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