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Warum Sie für Ihr E-Mail-Marketing Erlaubnis brauchen

Von Karina Matejcek

Wer in seriösen Kreisen von E-Mail-Marketing spricht, meint üblicherweise Permission Marketing: auf Erlaubnis des Empfängers basierende Mitteilung von Botschaften, in diesem Falle per E-Mail. Im Umkehrschluss kann man auch sagen: Nur auf Erlaubnis basierendes E-Mail-Marketing ist seriöses E-Mail-Marketing.

Erlaubnis im E-Mail-Marketing heißt: die dezidierte Erklärung des Einverständnisses durch Anhaken einer Checkbox, durch bestätigtes oder - am allerbesten - per doppeltem Opt-in: Der künftige Empfänger muss erst eine Bestätigungsmail beantworten, um in den Verteiler aufgenommen zu werden.

Dies ruft in Seminaren, Vorträgen und Kundengesprächen häufig eine gewisse Enttäuschung hervor: Unter E-Mail-Marketing stellen sich noch immer viele Marketing-Verantwortliche und Agentur-Mitarbeiter in Analogie zu klassischem Direktmarketing etwas völlig anderes vor, als es in der Realität - aus juristischen, aber oft noch mehr aus Gründen der Netiquette - sein kann.

Die Enttäuschung mündet dann meist in der Frage: "Ja, aber wie komme ich denn dann zu E-Mail-Adressen?" - Hintergrund ist nicht selten der Gedanke an eine Massenaussendung an hundertausend(e) Empfänger.

Wofür geben Sie die Permission?

Eine Aussendung an Hunderttausende von Empfängern? Seien Sie mal ehrlich: Würden Sie Ihre Zustimmung dafür erteilen, einer von Zigtausend zu sein, der nach dem Gießkannenprinzip mit einer Massenbotschaft beglückt wird?

Permission Marketing ist persönliche Ansprache, es kommt auf den Inhalt an und der muss für Sie relevant sein. Analog dazu erhalten Sie eine Permission nur dann, wenn der Empfänger sich einen Nutzen aus dieser Bot-schaft verspricht. Ihre erste Frage muss daher immer sein: Was will ich mitteilen? Wer hat etwas davon? Worin liegt der Nutzen für den Empfänger?

"Paying Attention - Giving Permission"

Ein Verteiler mit 300 Adressen, deren Inhaber man persönlich kennt und mit denen man über Jahre hinweg ein Vertrauensverhältnis erzeugt hat, bietet mehr Marketing-potenzial als 100.000 Adressen, an die man seine Botschaft ungezielt und wahllos verstreut.

Permission hat immer mit Vertrauen zu tun. Der übliche Ablauf lautet: "Paying Attention - Giving Permission". Zunächst müssen Sie die Aufmerksamkeit der potenziellen Empfänger auf sich ziehen. Wie machen Sie das?

  • Seien Sie ehrlich!
  • Erzählen Sie von Ihrem Anliegen, gewähren Sie Einblicke, lassen Sie sich in die Karten schauen! ·
  • Klären Sie den Nutzer über seinen persönlichen Vorteil auf!

Und in der Folge bitten Sie um seine Permission. Betrachten Sie die Erlaubnis als einen Vertrauensvorschuss, als eine Währung, in der Sie der Nutzer entlohnt. Vergessen Sie aber nie, dass er Ihnen diese Permission jederzeit wieder entziehen kann! Es handelt sich um eine Art Kredit, der Ihnen gewährt wird. - Die Permission leichtfertig einzusetzen wäre fatal.

Die Konsequenz: Der Aufbau eines E-Mail-Verteilers, um damit Permission Marketing zu betreiben, ist ein eigenes Projekt im Vorfeld jeglicher E-Mail-Marketing-Aktivität!

Warum die Erlaubnis so wichtig ist

Die rechtliche Lage ist eindeutig: Unerlaubte Werbe-E-Mails können Abmahnungen und Anzeigen nach sich ziehen. "Spamjäger" können einen Eintrag Ihres Mail-Servers in diversen Spam-Verzeichnissen veranlassen, was die gesamte E-Mail-Kommunikation Ihres Unternehmens beeinträchtigt. Und in den einschlägigen Newsgroups spricht sich rasch herum, wenn Unternehmen spammen - Unwissenheit schützt vor Imageschaden nicht.

Die Zielsetzung muss also sein, eine saubere Lösung zu finden. Die sauberste Lösung ist die Inhouse-Liste. Hier kennen Sie die Herkunft der Adressen, Sie wissen um die Bedürfnisse der Permission-Geber, Sie behalten die Kontrolle über den Datenbestand.

Und wenn Sie Adressen mieten, so fragen Sie hartnäckig nach, woher diese stammen und in welcher Form die Empfänger ihre Erlaubnis gegeben haben. Lassen Sie sich genauestens über die Qualität des Adressbestandes informieren, um jedes Risiko auszuschalten. Wenn auch nur der geringste Zweifel daran besteht, dass es sich um Opt-in-Adressen handelt, lassen Sie es lieber sein.

Wie man die Erlaubnis bekommt

Täglich buhlen tausende Informationen und Marketing-botschaften um unsere Aufmerksamkeit. Bewusst und unbewusst nehmen wir ständig Informationen auf, lassen wir uns verführen, geben wir echten oder künstlich erweckten Bedürfnissen nach, treffen wir letztendlich Kaufentscheidungen.

Das, was uns tagtäglich im TV, im Radio, auf Plakatwänden, in Zeitschriften und Magazinen, auf Einkaufstüten, Produktverpackungen ... und natürlich im Web begegnet, ist im Grunde nichts anderes als Spam. Bunt, laut, schrill, massenhaft, allgegenwärtig. Die so "bombardierten" Individuen schalten ab und selektieren genau, wem sie ihre Aufmerksamkeit schenken.

Im E-Mail-Marketing bekommt der die Aufmerksamkeit - und in der Folge hoffentlich die Erlaubnis - der etwas zu sagen hat. Der Interessantes bietet. Der sich von der Masse abhebt durch Originalität und durch Qualität. Das sagt sich sehr leicht ... und es wird auch ständig so dahingesagt und dahingeschrieben. Aber was es bedeutet, darüber denken nur wenige nach.

Es geht nicht um den Einsatz komplizierter Software, es geht vorerst einmal um den Einsatz von Kreativität, um die Entwicklung von Ideen, um Zielsetzungen. Die technische Lösung kann immer nur ein Werkzeug sein, das den Zielen Ihrer Permission-Aktivitäten dient.

Die Schritte zum Permission Marketing

Permission Marketing ist nicht nebenbei aufzubauen und einzusetzen. Es erfordert Zuverlässigkeit, Kontinuität und ständige Qualitätssicherung. Es erfordert persönliches En-gagement und die Bereitschaft zur Kommunikation und zum Dialog. Von Mensch zu Mensch, mit Unterstützung der Technik.

Legen Sie sich rechtzeitig eine Strategie zurecht, wie Sie mit E-Mail-Kontakten aus den unterschiedlichen Quellen vorgehen. Über die Website generierte Abonnenten können Sie mit einer automatisierten Bestätigungsmail ansprechen, die Aufmerksamkeit ist hier bereits auf Ihr Angebot gerichtet. Die Eintragung in einen Verteiler entspricht bereits der Gewährung des Vertrauensvorschusses, des "Kredites".

Eine andere Vorgehensweise erfordern auf Events gesammelte Adressen, wie etwa auf Messen in Form von Visitenkarten und Listen, auf denen man sich händisch einträgt. Diese Interessenten müssen sorgfältig an die Permission-Marketing-Aktivitäten herangeführt werden. Das Einsammeln der Adressen ist nicht in jedem Fall gleichzusetzen mit dem Einholen der Erlaubnis!

Schicken Sie zeitnah zum Event eine persönliche E-Mail mit einer relevanten Botschaft. Leiten Sie einen Dialog ein, indem Sie um Feedback bitten. Lassen Sie sich die Permission noch mal bestätigen.

Das ist sehr aufwändig, werden Sie jetzt sagen. Ja, das ist aufwändig. Und daher ist es auch nötig, sich vorab genau anzusehen, was es bringt, es zu tun. Auf Messen und Veranstaltungen sicherheitshalber Listen aufzulegen und Kärtchen zu sammeln ist zu wenig und völlig nutzlos, wenn nicht zu diesem Zeitpunkt schon klar ist, warum das geschieht.

Es ist der erste Schritt Ihres Permission-Marketing-Projekts - und die weiteren Schritte müssen zu diesem Zeitpunkt bereits in der Pipeline sein.

2. Teil: Permission-Marketing = Kommunikation

Karina Matejcek arbeitet als Beraterin und Trainerin für Online-Kommunikation in Wien. Sie ist Autorin von "Newsletter und Mailinglisten. Marketing per E-Mail", 2. Auflage 2001, Wirtschaftsverlag Ueberreuter.

Gemeinsam mit Markus Stolpmann betreibt sie http://www.eDings.de, den deutsch-österreichischen eBusiness-Dialog.

 

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