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Artikel E-Shops:
Das Angebot entscheidet als Erstes über Wohl & Wehe
E-Shops: Das Angebot entscheidet als Erstes über Wohl &
Wehe
Von Karsten Büttner
Die
Angebotspalette ist der erste Erfolgsfaktor in einem Shop. Und
damit ist nicht gemeint, ob man CDs oder Kosmetika, Bücher oder
Kaffee verkauft. Es ist die mögliche Wiederkaufshäufigkeit und
die Zahl der Wiederkäufer, die an die Angebotspalette gekoppelt
ist.
Seitdem Shops im Internet zu Spottpreisen eingerichtet und betrieben
werden können, sprießen diese wie Pilze im Herbst aus dem Boden.
Doch der Traum vom schnellen Euro, nebenbei mit wenig Aufwand
verdient, verfliegt schon nach den ersten Monaten.
Nicht selten sind tausende Euro für Produkte bereits ausgegeben
worden, ein spärlicher Marketingetat wird kurzfristig aufgestockt
- aber der Verkaufserfolg will sich nicht einstellen.
Es gibt eine Reihe von Fehlern, die man bei E-Shops beobachten
kann:
- mangelnde Übersichtlichkeit,
- fehlende Interessentenbindung,
- unklare Bestellverfahren,
- unsichere Abrechnungsverfahren,
- disfunktionales Design,
- planlose Vermarktungsanstrengungen,
- Unklarheit über Zielgruppen.
Doch der erste größte Fehler wird bereits bei der Produktauswahl
begangen. Natürlich lassen sich standardisierte Produkte leichter
als erklärungsbedürftige Produkte verkaufen. Das ist aber nicht
der entscheidende Punkt.
Sie benötigen Produkte, die aufeinander aufbauen können.
Das heißt: Sie müssen mit Ihren erstmaligen Kunden weitere Verkäufe
tätigen können.
Das kann bedeuten: Sie haben einem Kunden eine Videokamera
verkauft. Nun können Sie ihm neben Aufnahmematerial, weiteres
Zubehör wie Stativ, Schneideeinrichtungen, Bücher zum Thema Filmschnitt,
Seminare und vieles mehr verkaufen.
Oder: Sie verkaufen Kosmetika. Ihre Kundin hat eine Tagescreme
gekauft. Mit einer beigelegten Probe einer speziellen Pflegecreme
animieren Sie diese zum weiteren Kauf. Abgestellt auf Winter-
oder Sommerurlaube bieten Sie speziell Sonnencremes an. Interessiert
sich Ihre Kundin nicht dafür, sollte sie aber genügend andere
interessante Kosmetika, oder gegebenenfalls auch andere Produkte
finden, die sie bei Ihnen bestellen kann.
Der Grund: Neukundengewinnung ist teuer. Das weiß auch
jeder Versandhändler. Oft rechnet sich ein Kunde erst beim zweiten
oder dritten Einkauf. Damit es überhaupt zu einem zweiten (und
folgenden) Einkäufen kommt, müssen Sie dem Erstkäufer zunächst
einmal positiv in Erinnerung bleiben. Je näher ein nächstes Verkaufsangebot
an dem vorherigen Einkauf liegt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit,
dass ein Kunde wieder kauft.
Ihr Ziel sollte es sein, dass ein möglichst hoher Prozentteil
der Ersteinkäufer zu Wiederkäufern und Stammkunden wird.
Ist Ihr Angebot aber so beschaffen, dass der Kunde zu selten
einkaufen kann, weil er oder sie einfach nichts zum kaufen findet,
so gerät Ihr Shop zunehmend in Vergessenheit. Damit haben sich
aber die Investitionen in den Erstkäufer nicht gelohnt.
Aus diesem Grunde ist das Anlocken von Kunden durch sogenannte
Schnäppchen häufig kontraproduktiv. Schnäppchenkäufer sind keine
loyalen Kunden und sind tendenziell zu teuer gewonnene Käufer.
Fallstudie
Herr G. betreibt einen E-Shop mit speziellen kosmetischen und
Nahrungsmittel-Ergänzungsprodukten. Insgesamt handelt es sich
nur um 6 verschiedene Produkte, die in unterschiedlichen Packungsgrößen
angeboten werden. Die Gewinnspanne liegt mit über 75 Prozent im
Branchenvergleich recht hoch. Möglich wurde dieses, weil die Produkte
von einem befreundeten Hersteller mit Sonderkonditionen bezogen
werden können.
Es wurden an verschiedenen Stellen Banner, vereinzelt Kleinanzeigen
in Printprodukten sowie Werbung bei Suchmaschinen betrieben. Mit
einem kleinen monatlichen Budget von 250 Euro wurden Umsätze (!)
von durchschnittlich nicht einmal 300 Euro erwirtschaftet.
Nun vermutete Herr G., dass seine Werbung nicht gut sei und fragte
bei Online-Marketing-Praxis um Hilfe bei der Werbekonzeption.
Schnell wurde klar, dass noch vor einer Verbesserung von Anzeigen,
Medienauswahl und Websitegestaltung der eigentliche Haken die
Produktauswahl war.
So war der Vorteil des Produktbezugs gleichzeitig der Nachteil.
Denn Herr G. scheute sich, weitere Produkte (anderer Produzenten)
ins Sortiment zu nehmen. Da es sich bei den Produkten um sehr
spezifische Anwendungen handelt, ist ein Wiederkauf der Produkte
im besten Fall alle drei Monate nötig.
Der durchschnittliche Umsatz - so sich das aus den wenigen Verkäufen
überhaupt absichern ließ - lag bei 26 Euro.
Selbst eine Szenario-Rechnung, die das Beraterhonorar außen
vor ließ, optimale Rahmenbedingungen für den Shop vorsah, das
Marketing auf die absolut günstigste Pay per Click-Werbung setzte,
musste zu einem niederschmetternden Ergebnis kommen.
Da der Shopbetreiber seine Kunden auch nicht per E-Mail nach
einer gewissen Zeit wieder anschrieb, wird die Wiederkaufrate
allein deswegen gegen Null laufen. Das heißt: die meisten Käufe
wurden und werden durch Erstkäufer realisiert! Sind Erstkäufer
die wesentlichen Umsatzbringer, sind niedrige Gewinne oder sogar
Verluste kaum auszuschließen. Wir haben in diesem Beispiel jedoch
einmal angenommen, dass es noch 20 Prozent der Erstkäufer sind,
die wiederholt kaufen.
| |
|
| Klicks pro Monat |
2000 |
| Preis pro Klick |
0,30 Euro |
| Konversion bezogen auf Klicks |
1,5 Prozent |
| Zahl Neukunden pro Monat |
30 |
| Umsatz pro Kunde |
26 Euro |
| Werbeaufwand pro Monat |
600 Euro |
| Wiederkäufer in % von Erstkäufern + 3 Monate
|
20 Prozent |
| Gewinnspanne |
75 Prozent |
| Monat |
Neu- +
Wiederkäufer |
Umsatz in Euro |
Gewinn vor Steuer in Euro |
| 1 |
30 |
780 |
- 15 |
| 2 |
30 |
780 |
- 15 |
| 3 |
30 |
780 |
- 15 |
| 4 |
36 |
936 |
102 |
| 5 |
36 |
936 |
102 |
| 6 |
36 |
936 |
102 |
| 7 |
43 |
1.123,20 |
242,40 |
| 8 |
43 |
1.123,20 |
242,40 |
| 9 |
43 |
1.123,20 |
242,40 |
| 10 |
52 |
1.347,84 |
410,88 |
| 11 |
52 |
1.347,84 |
410,88 |
| 12 |
52 |
1.347,84 |
410,88 |
Was kostet die Kundengewinnung?
Nehmen wir unten stehendes Beispiel: Unsere Anzeigen haben
2.000 Klicks generiert. Wir haben dafür 600 Euro gezahlt
und 30 Erstkäufer bekommen. Damit hat die Gewinnung des
Erstkäufers 600 Euro / 30 = 20 Euro gekostet.
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Kauffrequenz und Wiederkäufer-Anteil hängen oft zusammen
Primäres Ziel eines Shopbetreibers muss sein:
a) die Häufigkeit der Einkäufe zu erhöhen
b) den Prozentteil der Wiederkäufer sehr hoch zu halten
Untersuchen wir die einzelnen Faktoren.
Kaufhäufigkeit
Gelingt es, die Kaufhäufigkeit von alle drei auf zwei Monate
zu steigern, hat der Shop im zwölften Monat den Gewinn vor Steuer
von rund 410 Euro um fast 210 Prozent auf 855 Euro gesteigert.
Dabei sind wir davon ausgegangen, dass der Anteil der Wiederkäufer
20 Prozent beträgt.
Zahl der Wiederkäufer
Gehen wir dagegen davon aus, dass ein Kunde im Shop nur alle
drei Monate wieder einkauft, und versuchen durch Maßnahmen die
Anzahl der Wiederkäufer zu steigern. Um den Betrag von 855 Euro
zu erreichen, müßten wir die Wiederkäufer-Rate von 20 auf 35,5
Prozent steigern.
Keine Frage: ein Shopbetreiber muss sich um beide Faktoren kümmern.
Doch die Angebotspalette ist der erste Ansatzpunkt, um überhaupt
Wiederkäufe zu ermöglichen.
Mehr Produkte = mehr Umsätze?
Es gibt keinen einfachen Zusammenhang zwischen mehr Produkten
und mehr Umsatz. Es kommt vielmehr darauf an, die Produkte aufeinander
abzustimmen. Jedes Produkt in der Angebotspalette muss eine Reihe
von Produkten haben, die ähnlich sind oder auf das erste Angebot
aufsatteln. Nicht umsonst hat der Buchladen Amazon ein Empfehlungssystem,
das darauf basiert, Ähnlichkeiten zwischen Produkten zu ermitteln.
Oft kommt es zu Impulskäufen, indem ein oder mehrere Produkte
zusätzlich gekauft werden. Damit erhöht sich durch eine intelligente
Angebotspolitik auch der Gewinn pro Einkauf.
Unser kleiner Shop hat durchaus Chancen zu einer veritablen Einnahmequelle
zu werden. Über die genannten Stellschrauben hinaus ist die Verbesserung
von Konversionsraten natürlich ein weiteres Ziel des Marketings.
Bleiben wir bei unserem Szenario und sehen, wie sich das ursprüngliche
Ergebnis verändert, wenn sich durch die verbesserte Angebotspalette
die abhängigen Faktoren so verändern:
- Verkürzung der Wiederkäufe von 3 auf 2 Monate
- Steigerung der Zahl der Wiederkäufer von 20 auf 50 Prozent
- Umsatzsteigerung pro Person von 26 auf 35 Euro
Dann können wir die Gewinne von rund 400 auf über 5.000 Euro
steigern.
Warnung: Dieses ist keine Wachstumsprognose
Eines darf man bei dieser Rechnung nicht vergessen: Es ist ein
lineares Rechenmodell, das einen konstanten Zuwachs sieht, keine
Dämpfungsfaktoren (Schwankungen, Konkurrenz, Veränderung von Werbekosten)
kennt und voraussetzt, dass der Betreiber seinen Shop aus eigenen
Kräften optimieren kann. Und: nicht jeder Shopbetreiber hat das
Glück, ein Produkt mit 75 Prozent Gewinnspanne vertreiben zu können.
Die Rechnung zeigt vielmehr auf, welchen vergleichsweise hohen
Einfluß die Angebotspalette und die davon abhängige Wiederkaufrate
auf die Erfolgs-Chancen eines Shops hat und welche weiteren Stellschrauben
welchen Einfluss haben.
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